Obsession ist ein sehr sympathischer, grundsolider Horrorfilm.
Obsession mischt The Exorcist mit Ruby Sparks, und das funktioniert, gut sogar. Technisch unterlegt mit Effekten aus dem gesamten Genre, aber sehr dezent und fokussiert.
Gut gemacht sind die beiden Hauptfiguren. Die Freundesgruppe zeigt die typische Unsicherheit junger Menschen, die sehr schnell reden können, wenn es um Banalitäten geht, aber stammeln, wenn es um Gefühle und Beziehungen geht. Das nervt massiv, aber so sind sie. Naive Teenager im 80er-Horror haben wenigstens vollständige, klare Sätze gebildet. Hier sind es unsichere Menschen, die sich sicher in ihren ungeschriebenen sozialen Regeln fühlen (z.B. Piña Colada ist für Frauen und unmännlich). Zwar geizen sie nicht mit curse words und denken sie seien cool und souverän, aber ihr permanentes Stammeln und die Gesprächspausen offenbaren ihre Unsicherheit in Bezug auf Gefühle, und vor allem Gefühle, die etwas über ihre Beziehung aussagen. Ist man in der Friend-Zone? Sind Romantik und Sex dasselbe? Will man zusammen kochen oder Sex haben? Was will man überhaupt voneinander? Und keiner fragt mal vernünftig oder zeigt eindeutige Gesten. Alles ist unverbindlich und bedeutungslos, Eigenschaften der Jugend.
Und genau diese Unsicherheit wird der Hauptfigur zum Verhängnis, die seine Angebetete in Mitleidenschaft zieht, oder konkret gesagt, dessen Unsicherheit und Unklarheit über sich selbst für sie der Horror oder die Hölle ist. Liebe ist für diese Menschen ein Problem, weil jeder nur an sich selbst denkt.
Und das ist neu, das ist gut gemacht. Seine Unreife wird ihr zum Verhängnis. Nicht, dass sie sicherer wäre, aber sie forciert ja nichts.
Ihr eigentliches Horror-Verhalten, also das extreme Ausdrücken von Gefühlen ist ziemlich gut und ziemlich komisch, aber eben auch gruselig.
Was auch lustig, und vielleicht beabsichtigt war: Sie klebt die Tür zu, um ihn am Gehen zu hindern, aber beklebt die komplette Tür und weniger den Übergang von Tür zur Wand. Das sieht zwar beeindruckend aus, ist aber ziemlich wirkungslos. Zurecht bekommt er die Tür mit ein, zwei Rucks (Rucken? Rücke?) auf.
Ihre obsessiven Aktionen sind eine Mischung aus lächerlich bis hin zu bestialisch und machen das Besondere an diesem Film aus, weil ihr Stimmungswechsel plötzlich und ungeahnt kommt.
Das alles hat mir gut gefallen und ist solide umgesetzt.
Von Inde Navarrette wird man sicher noch öfter was hören.
