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Schreibanlass: Warum verschleiern wir das mit einer Lüge über die Zeit?

Claudes Schreibanlass heute:

Wir sagen ständig, dass wir „keine Zeit haben“ – aber eigentlich meinen wir, dass uns etwas anderes wichtiger ist. Warum verschleiern wir das mit einer Lüge über die Zeit?

Jahaaaa. Gar nicht so ohne. Man will höflich sein, niemanden verletzten und keine Diskussionen. Tatsächlich ist etwas anderes wichtiger und das sieht der andere vielleicht anders.

„Keine Zeit“ lässt alles im Unklaren, absichtlich.

Für alle drei Tanzgruppen haben wir Whatsapp-Gruppen und schreiben, wenn und warum wir nicht kommen. Was ist, wenn einem „auf dem Sofa liegen bleiben“ wichtiger ist? Dann nimmt man eine Notlüge. Oder schreibt die Wahrheit mit Lach-Smiley, wenn man mutig ist. Meine Ballett-Lehrerin riecht Notlügen zehn Meilen gegen den Wind; wenn einem nicht gerade das Bein amputiert wird, erscheint man zum Unterricht. „Keine Zeit“ wäre eine Beleidigung. In all dem zeigt sich auch Verbindlichkeit und wer und was einem Wert ist.

Lustig, die Fragen von Claude klingen tatsächlich so, als solle man einer AI, die ja keine realen sozialen Kompetenzen und keine Empathie hat, die Welt erklären. Genau das hat Ishiguro in „Klara und die Sonne“ so hervorragend umgedreht.

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