Gehörschutz

Als ich im Som­mer in Ham­burg war ver­trieb ich mir die Zeit im Saturn. Ich pro­bier­te Kopf­hö­rer durch – das mache ich ganz ger­ne, weil ich viel Musik höre. Ich pro­bier­te auch ein Modell mit Geräusch­re­du­zie­rung, Musik spiel­te kei­ne. Ich set­ze sie auf und genoss die Stil­le, die plötz­lich ein­trat. Kei­ne voll­kom­me­ne Stil­le, aber ein Raum der Ruhe, der die Geräu­sche von außen dämmt. Die anstren­gen­den Fre­quen­zen waren bei­na­he voll­kom­men abge­dämpft. Ich woll­te sie gar nicht wie­der abset­zen.

Seit eini­ger Zeit bin ich immer geräusch­emp­find­li­cher gewor­den. Ob das an mir oder an den Geräu­schen liegt, weiß ich nicht, was ich weiß ist, dass mich Geräu­sche unan­ge­nehm und unnö­tig berüh­ren. Ich habe ver­schie­den Tech­ni­ken ver­sucht, um damit umzu­ge­hen, Medi­ta­ti­on, Kon­zen­tra­ti­on und ande­re For­men des Aus­blen­dens. Ich habe kaput­te In-Ear-Kopf­hö­rer vom Kabel geschnit­ten und bin damit rum­ge­lau­fen, um die Geräu­sche zu redu­zie­ren, aber etwas im Ohr zu haben, fin­de ich auf Dau­er unan­ge­nehm. Ich schla­fe auch nur unger­ne und zur Not mit Ohr­stöp­seln.

Ich woll­te die Kopf­hö­rer gar nicht wie­der abset­zen, merk­te mir das Modell und kau­te mir umge­hend ori­gi­nal­ver­pack­te über Ebay für ein Drit­tel des Prei­ses. Sie sind ja doch ver­hält­nis­mä­ßig teu­er und klin­gen beschei­den, für ein paar Euro mehr bekommt man rich­tig gute mit Kabel. Man kann sie auch mit Kabel ver­bin­den und dann klin­gen sie ganz in Ord­nung. Ich zie­he Kabel immer vor, wenn es mir auf den Klang ankommt.

Die Musik spielt aber eine Neben­rol­le. Es ist eine erhol­sa­me Geräusch­re­du­zie­rung mit Musik­un­ter­ma­lung. Und für Audio­books eige­nen sie sich sowie­so: abso­lu­te Stil­le und nur die vor­le­sen­de Stim­me. Traum­haft.

Per­fekt wären sie, wenn sie Velour-Ohr­pols­ter anstel­le von Plas­tik hät­ten. Der Tra­ge­kom­fort ist viel ange­neh­mer. Ich habe mir des­halb ein paar Socken abge­schnit­ten, drü­ber­ge­stülpt und ein Loch rein­ge­schnit­ten, für zuhau­se.

Es ist mir ja schon etwas pein­lich, damit drau­ßen rum­zu­lau­fen, obwohl mich das bei ande­ren über­haupt nicht stört. An die ver­stöp­sel­ten Ohren hat man sich ja auch bereits gewöhnt. In der Stra­ßen­bahn über­wiegt der Gewinn der Stil­le das unan­geh­me Gefühl, damit doof aus­zu­se­hen.

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