Ich fand das Interview mit Kristian Dittman sehr hörenswert. Ich kann vollkommen nachvollziehen, was er erzählt, und denke, er hat in vielen Sachen recht. Er hat ein Buch geschrieben: Einfach leben.
Gemeinschaft das ist, was wir seit einer Million Jahren kennen, können, während Gesellschaft das ist, woran wir seit zehntausend Jahren verzweifeln.
Während meines Studium wollte ich keinen Computer besitzen und auch meine Arbeiten nicht darauf schreiben. Ein Freund hatte mir seinen Apple geliehen. Ich schrieb eine Hausarbeit darauf und ging mit der Diskette zum Rechenzentrum der Uni, um sie auszudrucken. Dort sagte man mir, dass man Mac-formatierte Disketten nicht einlesen könne. Ich musste die ganze Arbeit nochmal schreiben.
Ich hatte eine Art elektronischen Schreibmaschinendrucker mit Datenträger und Display, auf dem ich nur ein paar Zeilen lesen konnte, und Druckfunktion in einem, einen Brother LW-20. Viele Bekannten und Mitbewohner zu der Zeit um mich herum waren irgendwie Nerds, weil alle studiert haben. Der eine wollte mich zu Linux überreden, ein anderer zu LaTeX. Studium und Computer waren nicht voneinander zu trennen. Und man konnte damit viel Geld verdienen. Und Doom spielen.
Der Reiz zu diesen Dingen war da, und eine Notwendigkeit, mich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Bis heute. Ich habe bloß immer die Bedeutung hinterfragen müssen. Bis heute.
Ich habe ihn wie einen Elektrobaukasten betrachtet, aber auch als Analogie zum Gehirn. Nein, umgekehrt. Und dann schlittert man rein, weil Text und Spiel und Musik und Fotografie damit langsam verwachsen. Heute KI und damit Denkvorgänge, Schreiben, Programmieraufgaben (was ich nicht kann, ich kann nur CSS und in Code rumfummeln).
Ich gehe gedanklich oft in die Zeit zurück und versuche, den Geist, meinen Geist von 1982 oder 1993 zurückzuholen. Nachsehen, ob da was verloren gegangen ist.
Ich frage mich dabei nicht, ob früher alles besser war. Mich interessiert vielmehr, ob sich mit den Werkzeugen auch mein Verhältnis zur Welt verändert hat.
Was mich aber besonders umtreibt, ist etwas anderes, das Kristian anspricht, ich bin nur gerade dabei, dafür Worte zu finden. Es geht um unser Verhältnis zur Welt, zu Dingen, zu anderen Menschen und auch zu uns selbst. In diesem Verhältnis entsteht Bedeutung. Dieser Bereich lässt sich nur begrenzt in Daten übersetzen. Man kann vieles messen (Aufmerksamkeit, Verhalten, Reaktionszeit) aber nicht die Bedeutung selbst. In unserem Verhältnis, in unseren Beziehungen entsteht Bedeutung.
Und das ist etwas, was ich, wenn ich mich digital bewege, sehr unbefriedigend finde: der Verlust des Raumes, in dem Bedeutung entsteht, die sich für mich umfassend (oder sinnvoll?) genug anfühlt.
Deshalb ist es für mich wichtig, Orte der Begegnungen aufzusuchen, nicht, um etwas zu verbessern, durchzusetzen, zu perfektionieren oder optimieren oder um mich selbst zu erfüllen oder zu bestätigen (das auch oft), sondern um andere Erfahrungen zu machen, weil sich bedeutsames Erleben sinnvoll anfühlt. Das kann schief gehen, das kann gut gehen. Diese Unabwägbarkeit gehört dazu.