Kurz: Beim Vorlesen von Büchern finde ich es angenehmer, wenn der Vorleser oder die Vorleserin wörtliche Rede nicht mit veränderter Stimme vorliest, auch wenn der Sprecherwechsel dann nicht so leicht erkennbar ist, oft nur über den Inhalt. Im Zweifel lese ich nach, weil ich Text und Lesung immer parallel habe.
Seitdem ich ElevenReader habe, höre ich kaum noch Hörbücher. Das liegt daran, dass mir die Stimmen für Hörbücher zu charakteristisch und theatralisch gelesen sind. Was ich ablenkend finde, ist, wenn der Sprecher oder die Sprecherin den Figuren in wörtlicher Rede eine andere Stimme geben.
Felix schreibt über Synchronstimmen und über das verlinkte Video vermute ich, worin das Problem liegt: Sprecher und Sprecherinnen betrachten das, was sie machen als Kunstform, Felix vergleicht das treffend mit Oper und Ballett. Ich höre in den Stimmen eine unpassende Theatralik raus.
Mir ist schon klar, dass man versucht, literarische Werke attraktiv zu verändern, aber ich finde es nicht attraktiv. Ein Buch ist kein Drehbuch und kein Hörspiel.
Ich weiß, dass andere das mögen, denn in den Bewertungen auf Audible wird das genau anders herum bewertet. Ich ziehe eher monotones Vorlesen vor.
Ich musste daran zurückdenken, wie das in der Schule war, wenn wir eine sogenannte Ganzschrift gelesen haben. Es gab Stunden, in denen wir abwechselnd in der Klasse das Buch laut weitergelesen haben. Niemand war ausgebildet und manche konnten besser lesen als andere, es kam zu Stockungen und Verhasplern. Gerade weil der Text dadurch seinen Eigenwert behielt und das Vorlesen sozusagen eine parallele Angelegenheit war, gerade weil es diese Distanz gab, konnte ich mich viel besser auf den Text konzentrieren und seine Wirkung unverändert aufnehmen und meine eigenen Vorstellungen blieben unbeeinflusst. Wenn jemand theatralisch liest, entspricht das ja gar nicht meiner Vorstellung. Was andere schlecht finden, ist für mich ideal.
Ich mache mir meine eigenen Vorstellungen zu einem Text, und dazu gehört, wie die Figuren aussehen oder sprechen. Und wenn sie gar keine besondere Stimme haben, dann soll das auch so sein. Meine Figuren haben keine besondere Stimme, sie klingen neutral.
Es geht also weniger um die Modulation oder die Lebendigkeit, sondern um das Sprechen mit verschiedenen Stimmen in wörtlicher Rede. Mir ist schon klar, dass man hören muss, wer gerade spricht oder dass die Sprecher wechseln, aber eine leichte Modulation genügt.
Ich lese und höre gerade ein Buch, das im alten Irland spielt, und weil die Geschichte sehr düster ist, wird die wörtliche Rede mit Grabesstimme gesprochen, das klingt überzogen und stört das Bild. Stimmungen in Büchern werden mir über den Text vermittelt, nicht über die Theatralik der Sprecher. Die Stimmung erzeuge ich beim Lesen selbst und da will ich keine Parodie. Ich brauche keine lebendigen Sprecher, sondern eine lebendige Szene, und die setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Da will ich niemanden mit komischer Stimme.
Es gibt ein paar, die mir gefielen, weil sie dezent modulieren in der wörtlichen Rede, aber sobald eine Figur sich durch Alter oder Geschlecht von dem der Sprecher unterscheidet, wird es meist völlig unpassend.
In ElevenRader kann ich mir meine eigenen Stimmen prompten, von denen ich den Text vorgelesen bekommen will, das ist zwar fehlerhaft, aber im Großen und Ganzen besser für mich. Ich muss mich konzentrieren, beim Lesen und beim Hören, das kann mir niemand abnehmen, und wie ich mich besser konzentrieren kann, weiß ich und kann es beeinflussen. Das ist keine Ignoranz gegenüber der Kunstform der Vortragens, das sind einfach zwei verschiedene Anliegen. Ich kann das Vorlesen mit ElevenReader besser an meine Bedürfnisse anpassen.