Nachdem Dirk angekündigt hat, dass sein neues Buch bald fertig ist und auf Die Lehrerin aufbaut, musste ich das Buch jetzt endlich mal lesen. Ich habe es bisher nicht gelesen, weil ich schon nach ein paar Seiten ahnte, dass es ungemütlich wird. Ich ahnte, was kommt, aber es kam dann doch anders, denn der Roman ist zwar düster, aber auch unterhaltsam und zwischenmenschlich mit Fingerspitzengefühl erzählt.
Es geht nicht um eine Lehrerin, sondern um eine junge Frau, Becca, die sich entschieden hat, andere Kinder zu unterrichten, mitten in sklavischen, von Gewalt geprägten Verhältnissen. Klimakatastrophe, Bildungsferne, Verlust materieller und immaterieller (auch sozialer) Werte prägen die Gesellschaft und bilden den Zwang äußerer Verhältnisse. Introversion, alte Werte und Sinnlichkeit prallen auf Gewalt und Überlebensstrategien. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft auseinander, Menschen verschanzen sich, schotten sich ab, bilden isolierte Gruppen mit eigenen Werten und Führern, ein globaler Krieg mit wirtschaftlichen Verstrickungen zerstört die Gesellschaft, in der ein paar wenige ihr letztes Fünkchen Menschlichkeit zurückerobern.
Je näher eine Dystopie mir räumlich und zeitlich ist, desto unangenehmer ist es und ich fange an, Wirklichkeit und Erzählung miteinander zu vergleichen. Zeitlich lässt Die Lehrerin sich zuordnen, räumlich nicht. Das lässt mir genug Raum, während der Roman die Finger auf Wunden heutiger Verhältnisse legt.
