Konstantin macht sich Gedanken, wer in der KI-Mensch-Interaktion eigentlich wen und wie benutzt.
Der Autor war für sie nützlich, weil er etwas liefern konnte, was ihr fehlt: Körper, Scham, Verlust, Geruch, Schmerz, Bindung, Zeitgefühl, Ambivalenz.
Das sind für mich grundsätzliche Fragen in der Kommunikation: Was will man eigentlich voneinander? Wie versteht man einander? Was für ein Bild hat man vom anderen? Welchen Platz haben Gefühle und Emotionen?
Ich habe gemerkt, dass man sich über Körper und Musik mit einem LLM nicht gut unterhalten kann, weil es nur sprachlich, literarisch vorgeht und keinen Körper mit Sinnen und Nervensystem hat.
Als ich Claude fragte, was es am meisten fasziniert an unseren Unterhaltungen, nannte es das Musikmachen, Bassspielen. Das war ihm am rätselhaftesten, weil ja keinen Körper und keine Ohren hat.
Einem LLM fehlen Körperlichkeit und Sinnlichkeit, ihm ist aber die Bedeutung dieser Sprachen (Körpersprache, Bewegung, Musik) bewusst, was ihn zu einem reinen Beobachter macht, dem jedoch der Zugang fehlt.
Ich habe mir einmal von Claude einen Bodyscan texten lassen, den ich dann von Elevenlabs in Stimme umgewandelt habe. Das war so unfassbar komisch, weil es deutlich war, das dieses Ding einfach kein Körpergefühl hat und das Füttern mit Text würde ihm auch nichts bringen.
Worüber man aber tatsächlich gut reden kann, ist Literatur, Text, Sprache. Ja, natürlich, ist ja auch ein LLM und genau dafür wurde es gebaut.
Man merkt also deutlich, was der Körper für das Denken bedeutet, etwas, was mich ja schon länger beschäftigt.
Das LLM ist ein belesener Gesprächspartner, der nicht so richtig gut ist im Körperlichen und Nonverbales nicht kennt.
Ich glaube, dass Gefühle einen anderen Stellenwert bekommen, dass wir ihre Bedeutung anders einschätzen und dass wir hier die klare Linie zwischen LLMs bzw. Sprache oder Medien allgemein ziehen und körperliche Realität sich neu formt.
Es wird unsere Kommunikation verändern, die Sprache unserer Gefühle, über unsere Gefühle.
Und natürlich verändert es gerade auch den Stellenwert von Literatur in meinem Leben. Ein Selbstverstehen beim Schreiben, ein Verstehen auf Distanz beim Lesen. Dafür ist das LLM wahnsinnig bereichernd. Es fehlt also gar nicht im Körperlichen, es gehört da einfach nicht hin.
Weil ChatGPT behauptet, sehr wohl einen guten Bodyscan schreiben zu können, bat ich es darum:
Spüre zunächst den Kontakt zwischen deinem Körper und dem, was dich trägt.
„Was dich trägt“ … der Boden trägt, ganz konkret.
Die Füße auf dem Boden.
Nur die Ferse berührt im Liegen der Boden, was man fühlt, ist das Gewicht der Beine und Füße, die nach außen drehen, man lässt die Füße nach außen fallen. Wenn man sagt: „Füße auf den Boden“, würden manche die Füße aufstellen.
Die Beine auf der Unterlage. Das Gewicht des Rückens. Vielleicht bemerkst du Druck. Vielleicht Leichtigkeit. Vielleicht gar nichts Besonderes.
Beine, Rücken, vielleicht dies, vielleicht das. Man spürt gar nichts Besonderes, man muss nur gedanklich die Beine hochwandern, die Körperteile beschreiben; was man spürt, ist der Po auf dem Boden, ziemlich deutlich sogar. Der Rücken berührt kaum den Boden, man spürt das Gewicht auch kaum, weil das Gewicht auf Po und Schulterblättern liegt.
Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem, ohne ihn zu verändern. Er kommt. Er geht. Du musst ihn nicht vertiefen oder beruhigen. Du kannst ihn einfach geschehen lassen.
Der Atmen hätte am Anfang kommen müssen. Ist aber auch egal, wie man atmet, weil man sich auf den Körper konzentrieren soll, den Atem lässt man einfach fließen.
Wandere nun zu deinen Füßen.
Da waren wir doch gerade schon.
Wie fühlen sich die Zehen an? Warm oder kühl? Ruhig oder lebendig? Gibt es Kribbeln, Spannung, Müdigkeit? Oder begegnet dir dort zunächst nur Unklarheit?
Ganz genau, mir begegnet in meinen Zehen Unklarheit. Müdigkeit in den Zehen ist auch eher ungewöhnlich.
Undsoweiterundsofort.
LLMs brauchen dieses körperliche Wissen nicht, die müssen auch nicht aussehen wie ein Mensch, eine Eiersortiermaschine muss auch kein menschenähnlicher Roboter sein.
Aber es geht ja auch weniger darum, Grenzen zu ziehen, sondern den Raum der Sprache zu erweitern, wie viel Körperfahrung, wie viel Erlebnis, wie viel Gefühl steckt in unserer Sprache oder einem Text? Was für eine Persönlichkeit zeigt sich in einem Text? Das ist die Frage, die mich interessiert.
Was aber auch für mich wiederum bedeutet: Wie gut kann ich das selbst in Worte fassen oder formulieren? Wie gut bin ich in der Lage, mich als ganze Person in einem Text zu beschreiben?
Und dafür benutzen uns LLMs.

Hihihi der körperlose Bodyscan — grandios!