Gestern schrieb M. in unsere Gruppe, die Gruppe vier alter Schulfreunde, dass er sich kurz vor seinem 40. vorgenommen hatte, den Berlin-Marathon zu laufen, aus Altersgegnerschaft und Imponiergehabe, wie er schreibt. Das hatte er dann auch gemacht.
Jetzt werden wir bald 60, und er möchte vorher die beste Version von sich werden, schreibt er. Ich frage, ob er nochmal den Marathon läuft. Und ich füge noch hinzu: Du bist und warst doch schon immer die beste Version. Du hast recht, schrieb er, nicht dass ich mich noch verschlimmbessere.
Ich kann ihn ja verstehen, alles, was ich in meiner Freizeit mache, tue ich, damit ich mich besser fühle und ich mich etwas mehr mag. Einerseits macht es mir wirklich Spaß, mir etwas vorzunehmen, immer wieder Neues und Aufregendes zu suchen, aber am Ende ist da auch jemand, der sagt: Hab mich lieb. Es stimmt, dass ich das für mich tue, es stimmt aber auch, dass man darüber Verbindung sucht. Man kann sich nicht vollkommen isoliert selbst finden. Für das, was man macht, braucht man andere, damit man sich nicht immer wieder alleine selbst finden muss oder sogar sich jeden Morgen neu erfinden, um irgendwo Anschluss zu finden oder Feedback zu bekommen.
Wir vier werden 60 und sind körperlich versehrt, jeder auf seine Art. Den Ausdruck „eine Version von sich selbst zu sein“ finde ich ziemlich charmant, aber das darf nicht in sinnloser Selbstoptimierung enden, in der man sich selbst nicht gut fühlt. „Ball flach halten“ ist schon länger mein Lebensmotto, drei einfache Worte, die ich körperlich altersgemäß und angemessen finde.
M. muss keinen Marathon mehr laufen. Ich liebe ihn jedenfalls so, wie er ist, und ich hoffe, er sich selbst auch.
Denn das liegt hinter der Version von mir selbst, das ist das eigentliche Motiv: Mich selbst anzunehmen in einer Art, die ich brauchte und brauche, und von der ich das Gefühl hatte, dass es mir fehlt.
Das macht auch unsere Freundschaft aus. Wir haben uns mit achtzehn kennengelernt, als wir noch niemand Besonderes waren. Wenn sich jemand für etwas Besonderes hielt, haben wir ihn ausgelacht – und uns selbst. Das machen wir immer noch, sind dabei nur etwas ernster geworden. Wie sockellose Skulpturen, die wir immer wieder umgestalten wollen.

Famoses neues Design hier. Ich liebe es, wie die Kids heute sagen. In der Sache … ach … ja …
Mitten am offenen Herzen. Ich muss noch zunähen.
Interessante Kombination: Mit Aufmacherbild = feine Serife, ohne Aufmacherbild = wuchtige Groteske.
Oh, und selbst innerhalb der Artikel mit Aufmachbild haste unterschiedliche Templates, mal mit Text auf dem Bild, mal darüber. Sehr schick, wirklich.
Die Vorlage ist eine twen von 1965. Ich habe Claude ein paar Fotos gegeben und das Prinzip besprochen. Daraus hat Claude ein Theme mit ein paar Templates erstellt, die ich für jeden Artikel wählen kann.
Ich blätter die twen immer wieder mal durch und denke, wie großartig das war, Layout, Fotografie, Typografie und Raster. Immer im Verhältnis ausgewogener Kontraste, extrem, aber ausgewogen und gleichzeitig hochdynamisch.
Also eigentlich nur eine Hommage an Willy Fleckhaus, Umsetzung Claude.
… geht jetzt erstmal Twen und Willy Fleckhaus googlen …
😀