Ich wollte mal wieder ins Kino, also haben wir uns spontan in Project Hail Mary gesetzt.
Meine kurzen Gedanken:
- Der Film bringt keine einzige neue Idee mit.
- Er basiert auf SciFi-Film-Klischees (Lost in Space, Stargate). Da hilft auch das Close Encounters-Musik-Zitat wenig, was so wirkt, als wolle man zitieren und das alles sei Absicht. Dann hat man einfach nur mit Absicht einen einfallslosen Film gemacht.
- Die Ästhetik kleistert alles zu. Die Musik lässt keinen einzigen Spielraum mehr und hyperemotionalisiert bis zur Unerträglichkeit.
- Sandra Hüllers Rolle ist eine Frechheit (Die eiskalte Frau, die auch lässig sein kann und emotional). Gosling darf einfach nur superschlau und cool sein.
- Kein Wissenschaftler ist so cool, man kann nicht beides gleichzeitig sein. Man hat eine Person in etwas reingesteckt, was sie nicht sein kann.
- Die coolen Typen, die Star Wars bauten und Apple-Computer bauten, sind ein unerträgliches Ami-Klischee geworden.
- Ihre altruistischen Werte, die sie natürlich ganz selbstverständlich leben, weil: Männerfreundschaft, werden hier unerträglich pathetisch aufgeblasen.
Zusammengefasst also:
- Männlichkeitsfantasien in Wissenschaftlerkostüm.
- Doofe Schablone für Sandra Hüller.
- Aufgewärmte Ideen.
- Überemotionalisierung, was man früher einfach unerträglichen Kitsch nannte. Sieht heute einfach nur nicht mehr so billig aus.
Was ich aber auch im Kino gemacht habe: Ich habe gelacht und geweint und mich geärgert. Natürlich wirkt das. Aspirin wirkt auch.
Der eigentlich interessante Punkt wird lächerlich, hemdsärmlich und naiv nur ansatzweise angeschnitten: Wie kommuniziert man überhaupt mit Außerirdischen? Wie kooperiert man? Gibt es Empathie? Wie sähe die aus? Haben Außerirdische emotionale Konzepte? Müssten diese nicht, aufgrund anderer Sinnesorgane vollkommen anders beschaffen sein? Solche Fragen werden hier gar nicht gestellt. Dabei liegt sowas auf der Hand beziehungsweise vor der Tür, nämlich, wenn man mit Tieren kommuniziert. Science-Fiction hatte diesen Bezug, diese natürliche Komplexität des Lebendigen immer im Blick. Heute hat man es nur noch mit kleingeistigen, aber genialen Jungs zu tun, die die Welt durch eine Lochmaske betrachten und fragen: Wie löst man das technisch. Kein Interesse an den blinden Flecken. Dabei liegt auch darin die Faszination des Weltalls. Nicht nur die bunten Himmelskörper, sondern auch das Schwarze, die Nichtmaterie, die Antimaterie.
Auch das Close Encounters-Zitat ist eine Frechheit. Die Schlüsselmelodie, die einer der größten Momente der Science-Fiction-Kino-Geschichte ist, wird zum Witz. Während die Buddys ganz locker einfach voll süß mit Umarmung und Tränen kleine Jungs im Weltraum sein dürfen und nicht weniger als die Menschheit retten.
Am Ende geht es nur um eine geniale coole Sau, die mit Freunden und Kumpels und Gleichgesinnten abhängen will.

Dann ist das also der große Gegenteil-Film von „Arrival“. Inhaltlich wie künstlerisch. Könnte man fast eine Serie draus machen: Blockbuster und ihre wirklich coolen Geschwister.
Beste Passage: „Aspirin wirkt auch“.
Ja, absolut. Arrival ist die richtig coole Schwester.
Blockbuster und ihre coolen Geschwister finde ich eine tolle Idee. Cassavetes Gloria neben Bessons Leon. Hm …
„Sandra Hüllers Rolle ist eine Frechheit“
fand ich nicht. fand ich genau richtig. tja.
Sandra Hüller ist brilliant, weil sie genau diese Ambivalenz spielen kann. Sonst hat man ja immer Jodie Foster für solche Rollen genommen. Das sind die Fußstapfen.
Ich hoffe, wir verstehen uns richtig: Die Figur „die anwerbende Leiterin“, ist extrem unterkomplex. Hüller kann mehr, ein Regisseur sollte Figuren ausspielen lassen, sie dadurch mit Leben füllen.
An Catherine Langford (Viveca Lindfors, Stargate), Dr. Eleanor „Ellie“ Arroway (Jodie Foster, Contact) und Dr. Louise Banks (Amy Adams, Arrival) muss man die Figur messen. Auch Dana Scully (X-Files) hat diesen Typ geprägt. Man sollte „Frau, jobbedingt gefühlskalt“ einfach mal überdenken und nicht bloß fortschreiben. Man darf auch als solche Figur Gewissensbisse oder Zweifel haben, man sollte sogar, dafür sind Filme da.
Deine Ausführung hilft, danke.
Ich schätze, die haben die Figur einfach auf das Skelett runtergekürzt. Und dann Karaoke hinzugefügt — das einzige, das mich nachhaltig berührt hat.
Ja, die beste Szene im Film und die Idee hatte Gosling.