Die Geschichte von Haarmann & Reimer und Vanillin

Richard Hem­mer und Dani­el Meß­ner erzäh­len in ihrer neu­en Fol­ge von Geschich­ten aus der Geschich­te die Geschich­te der Vanil­le, der Syn­the­ti­sie­rung des Vanil­lins durch den Che­mi­ker Dr. Wil­helm Haar­mann in Holz­min­den, die sich heu­te Stadt der Düf­te und Aro­men nennt.

Die Geschich­te ist in viel­fa­cher Hin­sicht span­nend, wes­halb mich das The­ma damals in Gras­se auch so begeis­tert hat, näm­lich wie Sin­ne, Indus­trie, Wis­sen­schaft und Kul­tur zusam­men­spie­len, oder anders­rum, wie aus einem Gesamt­phä­no­men die Zwei­ge ent­stan­den sind. Die Geschich­te der Par­fü­me­rie ist auch eine Geschich­te der Sin­nes­for­schung.

Die Che­mie ist im 19. Jahr­hun­dert als eigen­stän­di­ge Wis­sen­schaft ent­stan­den. Die Ein­wir­kung von che­mi­schen Stof­fen, Bak­te­ri­en und Viren auf den Kör­per und die dar­aus ent­ste­hen­den Vor­stel­lun­gen von Gesund­heit, Sau­ber­keit und Hygie­ne prä­gen bis heu­te unse­re Kul­tur.

Und damit ist man auch bei der Tren­nung von natür­lich und syn­the­tisch. Das syn­the­ti­sche Vanil­lin wur­de als gesün­der als die natür­li­che Vanil­le bewor­ben, weil man der natür­li­chen Vanil­le schäd­li­che Ein­flüs­se auf die Ner­ven nach­ge­sagt hat.

End­lich ist der Geschmack noch wesent­lich fei­ner als der durch Vanil­le her­vor­ge­ru­fe­ne, weil in den Scho­ten noch Har­ze und Fet­te ent­hal­ten sind, die das fei­ne Vanil­le­aro­ma ungüns­tig beein­flus­sen. Die­sen Neben­be­stand­tei­len der Vanil­le wohnt auch die, mit Recht gefürch­te­te, ner­ven­er­re­gen­de Wir­kung bei, wäh­rend rei­nes Vanil­lin nach den ein­ge­hends­ten Unter­su­chun­gen eine der­ar­ti­ge auf den mensch­li­chen Orga­nis­mus nicht besitzt.

Lina Mor­gen­stern (Geschich­ten aus der Geschich­te, Fol­ge 530)

Wir spre­chen heu­te über­haupt nicht mehr über Sin­ne und Ner­ven, son­dern nur noch direkt vom Gehirn. Vor hun­dert Jah­ren hat man sich noch viel mehr Gedan­ken über die Art der Erre­gung der Ner­ven gemacht, heu­te geht es direkt an die Ver­ar­bei­tung im Gehirn.

Sehr span­nend das alles. Vanil­le wird welt­weit als der ange­nehms­te Geruch emp­fun­den und die Geschich­te ihrer Gewin­nung und anschlie­ßen­den Syn­the­ti­sie­rung fängt in Mexi­ko an und endet in Holz­min­den.

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