Kleine Helden

Zum letz­ten Musiktref­fen soll­ten wir unse­ren Song aus den 80ern mit­brin­gen. Das ist natür­lich unmög­lich, weil es ‑zig gibt. Man hat sich also vor allem auf ein per­sön­li­ches Kri­te­ri­um fest­ge­legt.

Mein per­sön­lichs­ter Song aus den 80ern ist einer, der eine Son­der­stel­lung ein­nimmt, weil ich sonst kaum Musik mit deut­schen Tex­ten gehört habe außer Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten und Grau­zo­ne, also kei­ne deut­schen Tex­te mit ein­gän­gi­ger Musik. Das gan­ze Album hat mich damals begeis­tert, näm­lich Wolf Maahns Klei­ne Hel­den. Ich mag es sowohl musi­ka­lisch, aber vor allem sei­ne Tex­te und beson­ders der Song Klei­ne Hel­den.

Ich war sieb­zehn, als ich den Song hör­te, und es gab kei­nen deut­schen Text der so direkt, klar, deut­lich, ver­ständ­lich und ver­ständ­nis­voll zu mir sprach, mei­ne Situa­ti­on beschrieb und das, was ver­mut­lich noch kom­men wird. Es war so trös­tend, so nor­mal, so per­sön­lich for­mu­liert.

Das Ver­rück­te ist, dass sich dar­an über­haupt nichts geän­dert hat. Wenn ich damals gewusst hät­te, dass ich nach vier­zig Jah­ren noch genau so ger­ne und begeis­tert die­ses Lied höre und sagen kann, dass alles in die­sem Lied stimmt, dann wäre ich wirk­lich froh und beru­higt gewe­sen. Ich hät­te mich dar­über sehr gefreut.

Erschie­nen ist das Album am 1.1.1986, also bald vor genau vier­zig Jah­ren.

Ich hat­te erst Cars and Girls von Pre­fab Sprout neh­men wol­len. Dann über­leg­te ich, etwas weni­ger Bekann­tes, aber musi­ka­lisch Ähn­li­ches zu neh­men und kam auf Dea­con Blues Real Gone Kid, hör­te Wages Day und dach­te, das das ja anfängt wie Fie­ber von Wolf Maahn. Wie über­haupt Wolf Maahn musi­ka­lisch ganz gut da rein­passt. Ich wart‘ auf Dich ist auch ein wun­der­schö­ner Song.

Klei­ne Hel­den

Du fällst auf die­se Erde unschul­dig und klein
Fährst die Stra­ße des Lebens ohne Füh­rer­schein
Kaum hörst du das Wort Schu­le kommst du auch schon bei ihr dran
Und der Zau­ber all der schö­nen Din­ge
Erstarrt zu Buch­sta­ben an einer Wand
Ver­giß nicht zu tan­zen
Das Leben ist schön
Fusch nur wei­ter unter der Schul­bank
Und paß auf das die Lehrer´s nicht sehn
Die Lehrer´s nicht sehn

Gib nicht auf pack nicht ein
Klei­ne Hel­den müs­sen tap­fer sein
Und ist die Welt auch hart wie Stein
Bring wie ein Held dei­ne Sehn­sucht ein

Du wirst Arzt oder Mau­rer oder Bar­gi­tar­rist
Ste­war­dess oder Putz­frau
Wenn du über­haupt Arbeit kriegst
Trägst als Vater oder Mut­ter
Dein Kind durch die Nacht
Oder stehst allein auf der Stra­ße
Weil dei­ne Lie­be dich ver­las­sen hat
Das pas­siert jede Stun­de
Über­all in die­sem Land
Und die Mäd­chen schmin­ken sich wei­ter
Und die Typen geben vor ihnen an
Vor ihnen an

Gib nicht auf …

Sie kom­men nie ins Fern­se­hen
Kei­ne Zei­tung bringt ihr Bild
Noch hat ihnen jemals ein Prä­si­dent
Das Bun­des­ver­dienst­kreuz verlieh´n

Gib nicht auf …

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