Game of Thrones

Ein hal­bes Jahr habe ich für alle acht Staf­feln gebraucht.

Ich hat­te damals die ers­te Staf­fel gese­hen, war zu gei­zig für die fol­gen­den Staf­feln, weil ich auch nicht wuss­te, ob sich das wirk­lich lohnt, bin auf das Buch und Hör­buch umge­sprun­gen und fand die Vor­la­ge viel bes­ser, kam aber hier nicht über den zwei­ten Band hin­aus, trotz mehr­fa­cher Anläu­fe. Das ist mein Pro­blem mit Fan­ta­sy, sie ist mir in Buch­form ein­fach zu lang. Dafür gibt es zu viel, was ich sonst noch lesen will. Es lag nicht dar­an, dass ich nicht begeis­tert war, ich war von Anfang an sehr begeis­tert.

Für das Lesen aller Bücher hät­te ich noch viel län­ger gebraucht als für die Ver­fil­mung. Das ist bei mei­ner Art der Frei­zeit­ge­stal­tung nicht so ein­fach zu ver­ein­ba­ren. Lesen kann ich nicht neben­her und brau­che Ruhe, beim Hör­buch muss ich mich auch kon­zen­trie­ren, weil ich sonst abschwei­fe. Neben der Serie kann ich noch Yoga oder ande­re Übun­gen machen. Ich griff also bei der Gele­gen­heit, mir die DVDs aus­zu­lei­hen zu, obwohl ich die Bücher lie­ber lesen woll­te.

Womit ich am meis­ten geha­dert habe, ist der Unter­schied der Figu­ren im Aus­se­hen. Arya zum Bei­spiel hat nach der Beschrei­bung im Buch ver­filz­te Haa­re, ein lan­ges Gesicht, ist dünn und ath­le­tisch. Ganz anders also als Mai­sie Wil­liams.

Bei mei­nem schlech­ten Gedächt­nis für Namen und Ver­hält­nis­se ent­ging mir dann auch das eine oder ande­re. Irgend­wann wuss­te ich manch­mal nicht mehr so genau, wer wofür genau Rache woll­te und wer wen wann umge­bracht hat. Aber die Kern­fi­gu­ren waren dafür dafür um so groß­ar­ti­ger und die Bezie­hun­gen und die Cha­rak­te­re waren gut und durch­dacht. Es gibt da den Begriff der psy­cho­lo­gi­schen Tie­fe, Games of Thro­nes zeigt sehr gut unter­schied­li­che Moti­ve und Hand­lun­gen, die einen Cha­rak­ter for­men ohne unnö­ti­ges Bei­werk. Show, don’t tell.

Ich habe nie die gro­ße Klam­mer erwar­tet, es war mir im Lau­fe der Geschich­te klar, das ein gewis­ses Cha­os der Ereig­nis­se dem ent­spricht, was man auch aus Geschichts­er­zäh­lun­gen kennt. Man ver­ein­facht ja nur, weil es sonst so schwer zu ver­ste­hen ist. Macht­in­ter­es­sen beherr­schen die gesam­te Erzäh­lung. Treue, Pflicht, Zunei­gung, grund­sätz­li­che Men­schen­freund­lich­keit, und Lie­be hal­ten die Men­schen zusam­men. Das alles ist in stän­di­ge Wider­sprü­che gepackt, inner­halb einer Figur und zwi­schen den Figu­ren.

Anfangs war ich mir nicht so ganz sicher, ob ich mich auf die Serie ein­las­sen will. Mir waren irgend­wann vie­le die­ser Figu­ren aber so sym­pa­thisch, dass ich viel­leicht sogar etwas davon mit­ge­nom­men und ange­nom­men habe. Lief ich nicht manch­mal ein biss­chen wie Sir Jor­ah Mor­mont durch die Welt? Die Serie ist ein schö­nes Bei­spiel dafür, dass ich mich nicht ent­schei­den kann, die Welt als „so ist sie“ zu sehen, oder ob ich nicht lie­ber die kon­struk­ti­vis­ti­sche Sicht ein­neh­me „so sehe ich sie“.

Das klingt dra­ma­ti­scher als es ist, Lori­ot und Die Simpsons haben bei mir das glei­che bewirkt. Wer es schafft, kom­ple­xe For­men schlüs­sig und nach­voll­zieh­bar zu ver­mit­teln, dem glaubt man, in dem Sin­ne, dass sich Erfah­run­gen und Erzäh­lung decken.

Die kom­plet­te Sti­cke­rei auf dem Bild gibt es hier zu sehen. Hier gibt es einen klei­nen Film dazu.

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