Lieder abpausen

Lie­der covern hieß für mich immer, Text, Gesangs­me­lo­die und ‑Rhyth­mus und Akkor­de aus­wen­dig ler­nen und dann nach­spie­len. So, wie man das eben macht, wenn man einen Song hört, lernt und nach­spielt. So, wie man es auf der Stra­ße oder am Lager­feu­er macht.

Mit mei­ner E‑Gitarre muss­te tech­ni­sches Gerät her und nach und nach bau­te sich das Gan­ze auf: Kopf­hö­rer­ver­stär­ker, Misch­pult, Gesangs­mi­kro­fon, Loo­per und sogar nach­träg­li­ches Hin­zu­fü­gen von Spu­ren. Ich nahm nicht mehr live in einem Stück auf, was allei­ne auch nur schwer umzu­set­zen ist. Man kann zum Bei­spiel kei­ne Pau­sen ein­bau­en. Ich habe vie­le Tricks und Tech­ni­ken pro­biert, um die Ori­gi­nal­lie­der im Hin­ter­grund lau­fen zu las­sen, Tex­te für mich ein­zu­blen­den und mich selbst zu beglei­ten und Instru­men­te hin­zu­zu­fü­gen. Nichts Gro­ßes und Welt­be­we­gen­des, aber mein Gehirn war oft genug ver­kno­tet und mein Kopf kom­plett ver­ka­belt.

So lang­sam ver­bes­se­re ich die Tech­nik und so lang­sam gewinnt das Covern an Qua­li­tät, weil ich noch genau­er am Ori­gi­nal ler­nen kann. Vor allem den Gesang kann ich ver­bes­sern, wenn ich mei­ne eige­ne Stim­me exakt über Mikro­fon und Kopf­hö­rer höre und gleich­zei­tig den Ori­gi­nal­song und die Ori­gi­nal-Stim­me.

Über das Misch­pult kann ich den Ori­gi­nal­song ein­spie­len oder aber, ich höre mit einem Ohr das Ori­gi­nal mit. So kann ich viel genau­er covern, blei­be im Rhyth­mus und muss nicht den kom­plet­ten Song voll­stän­dig aus­wen­dig kön­nen, ich kann also dazu spie­len, ohne dass man den Ori­gi­nal­song auf der Auf­nah­me hört, weil nur ich ihn höre.

So rich­tig gut funk­tio­niert das mit einem In-Ear-Stöp­sel, den man sich in ein Ohr steckt und dar­über die ohr­um­schlie­ßen­den Kopf­hö­rer. So hat man den vol­len Klang zur Kon­trol­le.

Beson­ders frei zu spie­len gilt eigent­lich als Königs­dis­zi­plin für mich, aber am Ende ist es egal, ob man Kopf­hö­rer trägt und irgend­wo der Text steht. Am Ende zählt der Klang. Ich bin schlech­ten Play­backs auf­ge­wach­sen und ent­täu­schen­den Halb­play­backs. Ich bin mit Samples und tech­ni­schen Tricks auf­ge­wach­sen, so dass man immer unter­schie­den hat zwi­schen live und nicht-live, zwi­schen echt und Stu­dio. Bereits in den Nullern wuchs alles zusam­men und in den letz­ten zehn Jah­ren haben sich immer mehr Per­for­mance-For­ma­te ent­wi­ckelt. Ich habe alte Kri­te­ri­en im Kopf, auf die nie­mand mehr Wert legt. Nur Auto­tu­ne ist ein rich­ti­ger Griff ins Klo und ein ech­ter Beschiss.

Ich habe – nur für pri­va­te Zwe­cke – Time after Time geco­vert, mit dem Ori­gi­nal­lied im Ohr und mit Zweit­stim­me auf­ge­nom­men. Es ist mein ers­tes Cover, das sehr genau und sehr ein­fach gespielt ist. Ich habe die Spu­ren ein­zeln auf­ge­nom­men. Ich höre es aus­ge­spro­chen ger­ne und ich bin damit sehr zufrie­den, ein­fach des­we­gen, weil es sehr sau­ber ist. So etwas ken­ne ich gar nicht von mir. Mein ers­tes sau­be­res und ehr­li­ches Cover. Das behal­te ich pri­vat in einem klei­nen Zigar­ren­käst­chen unter dem Bett.

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