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Fotos kön­nen eine Geschich­te haben, Foto­gra­fien neh­men dabei einen beson­de­ren Stel­len­wert ein, weil sie Objek­te sind und nicht nur Infor­ma­ti­on. Ich habe jetzt 1,4 TB Bild­da­tei­en, aber kaum ordent­li­che Bil­der auf Papier. Die Papier­bil­der, die mich ernst­haft beein­druckt haben, sind alte Auf­nah­men, die in der Dro­ge­rie ent­wi­ckelt und ver­grö­ßert wur­den. Zwei Mona­te habe ich in Ligh­t­room an den Reg­lern geschraubt, um eine befrie­di­gen­de Vor­la­ge zu bekom­men, jedoch ohne das zu bekom­men, was ich woll­te. Im Moment neh­me ich wie­der Schwarz­weiß-Film und mache Ver­grö­ße­run­gen nach einem ganz bestimm­ten Sche­ma. So bekom­me ich Ergeb­nis­se, die durch­gän­gig und kal­ku­lier­bar gut sind, mir wirk­lich etwas bedeu­ten und die ich im For­mat 13 cm × 18 cm in der Hand hal­ten kann, ins Album legen, an die Wand hän­gen, ande­ren Men­schen schen­ken. Hier sind ein paar Bei­spie­le die zei­gen, wel­che Geschich­te an Papier­bil­dern hän­gen kön­nen. Das hier ist ein Foto von einem Bild auf dem Mond. Der Text dazu erklärt, wor­um es geht: [Ein Foto auf dem Mond](http://slavin.tumblr.com/post/40906492145/chriswoebken-charles-duke-this-was-the). In _One Hour Photo_ spielt Rob­bie Wil­liams einen Psy­cho­pa­then, des­sen beson­de­res Ver­hal­ten dadurch illus­triert wird, dass er peni­bel dar­auf ach­tet, die Ent­wick­lungs- und Ver­grö­ße­rungs­ma­schi­ne im Foto­la­bor eines Kauf­hau­ses so ein­zu­stel­len, das mög­lichst per­fek­te Fotos raus­kom­men (1), weil er weiß, wel­chen per­sön­li­chen Wert die­se Fotos für die Kun­den haben. Film­ent­wick­lungs­pro­zes­se waren des­halb ange­nehm, weil man Bil­der nicht bear­bei­ten muss­te, das hat­te das Labor für einen über­nom­men. Bil­der bear­bei­ten kön­nen heißt jetzt auch, Bil­der bear­bei­ten müs­sen. Ste­ve McCur­ry hat 30 Jah­re nur mit Kodach­ro­me foto­gra­fiert. Er moch­te Kodach­ro­me und lieb­te die Ein­fach­heit des ver­läss­li­chen Pro­zes­ses: foto­gra­fie­ren, Film abge­ge­ben, wie­der­be­kom­men, sich freu­en. Er hat auch die letz­te Rol­le Kodach­ro­me belich­tet und ent­wi­ckeln las­sen: [The last roll Kodachrome](http://stevemccurry.com/galleries/last-roll-kodachrome). Hier muss man auf 45:20 vor­spu­len. Anse­hen, stau­nen und Gän­se­haut bekom­men: [Ein Foto­graf und drei beson­de­re Fotos](http://0‑video.pbs.org.library.lanecc.edu/video/1519357120). Ian Cur­tis von Joy Divi­si­on hat eine Toch­ter, Nata­lie Cur­tis. Sie kennt ihren Vater haupt­säch­lich von bekann­ten und sehr guten Foto­gra­fien. Jetzt foto­gra­fiert sie selbst und Cun­ning­ham und Corb­jin sind ihre Vor­bil­der. [Hier ist ein Inter­view mit ihr](http://menmedia.co.uk/macclesfieldexpress/news/s/405952_getting_to_know_dad). (1) Klas­si­sches Motiv, wenn Per­fek­ti­on in einen Wahn mün­det, für die man eine gewis­se Sym­pa­thie emp­fin­det, weil er/sie doch nur das Bes­te woll­te („Ich woll­te doch nur die Welt ver­bes­sern“).

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