Am Montag haben wir unseren Ballettlehrer verabschiedet. Er war mein erster Lehrer (einer meiner ersten, ich hatte zwei). Fünfundreißig Jahre hat er an der Schule unterrichtet, ganz still und bescheiden, mit viel Humor, aber immer, und bis zur letzten Stunde korrigiert, immer neue Kombinationen ausgedacht, tänzerisch sehr ansprechend.
Er hatte nur eine CD, die Musik war immer dieselbe. Ich fand das nie langweilig, sondern angenehm vertraut.
Er wollte letztes Jahr schon aufhören, aber sie haben keinen Ersatz gefunden. Jetzt, mit Mitte siebzig, darf er gehen, schweren Herzens.
Ich habe nochmal ein Jahr bei ihm Unterricht genommen.
Seine Eltern waren Neubauern in der DDR. Er kam eher zufällig zum Ballett und hat bis 89 beruflich getanzt. Danach ist er in unsere Gegend gezogen und hat eine Fahrschule eröffnet. Ein Jahr wird er noch Fahrlehrer sein, dann hört er auch damit auf. Montag abends hat er Ballettunterricht für Erwachsene gegeben, fünfunddreißig Jahre lang und hat nur einen Tag gefehlt, weil er krank war.
Auf der Homepage der Schule wird er nicht erwähnt und auch in der Bildergalerie an der Wand ist er nicht dabei. Die freundlich bis über beide Ohren lächelnde, stille Größe. Seine Schülerinnen wussten, was sie an ihm haben.
Am Ende seiner letzten Stunde verbeugte er sich ein letztes Mal nach langem Applaus.
Toll, solche Menschen. Hoffentlich wachsen sie noch nach.
(Frage mich, ob ein Ballettlehrer wohl auf besondere Weise Auto fährt.)
Ich glaube, dass er ganz normal Auto fährt. Aber als Fahrlehrer war er sicher ähnlich, streng, ruhig, humorvoll.
<3