Kinder des Nebels

Kin­der des Nebels von Bran­don San­der­son hat mir erstaun­lich gut gefal­len. Ich könn­te auf den Geschmack kom­men. Bis­her gleicht mei­ne Beschäf­ti­gung mit Fan­ta­sy ja eher noch einer Suche, bei der sich klärt, was ich eigent­lich will.

Wenn ich Unlust ver­spü­re, fra­ge ich ChatGPT, das hilft unge­mein. Der Punkt, der mich stör­te, war die Sto­ry und die Action. Lang­at­mi­ge Kampf­ge­tüm­mel­be­schrei­bun­gen fin­de ich unfass­bar öde und über­flüs­sig. Die Geschich­te zielt line­ar auf einen Punkt und hat nur ober­fläch­lich über­ra­schen­de Wen­dun­gen.

Grob gesagt geht es um Unter­drü­ckung und Befrei­ung.

Die Moti­ve und Cha­rak­te­re ent­wi­ckeln ich nach und nach, und das fin­de ich wirk­lich her­vor­ra­gend. Die Figu­ren haben mir sehr gefal­len. So gut, dass ich die drei­tei­li­ge Rei­he viel­leicht wei­ter­le­sen wer­de.

Die Magie ist aus­ge­feilt und bringt eine inter­es­san­te Ebe­ne in die Geschich­te, ähn­lich Kräf­ten und Gefüh­len. Was Kampf­ei­gen­schaf­ten angeht, bewegt sich die Grup­pe von Figu­ren wie den Fan­ta­stic Four durch die Sto­ry, nur mit mehr Dyna­mik. Da ist mir aller­dings zu viel Magie und Action im Spiel. Auf dem Boden der Tat­sa­chen bewe­gen sich die gut gezeich­ne­ten Figu­ren für mich aus­rei­chend inter­es­sant. Die Magie macht da nichts bes­ser, nur viel­leicht etwas inter­es­san­ter.

Men­schen und Din­ge beein­flus­sen, das bringt einen net­ten Aspekt rein, aber das muss man für mei­nen Geschmack nicht über­trei­ben. Grund­sätz­lich bringt das eine nai­ve, kind­li­che Fan­ta­sie mit hin­ein. Ich bewah­re mir die­se kind­li­che Sicht ganz ger­ne, aber das ist eben die Kunst, kind­li­che Vor­stel­lung und Rea­li­tät zu ver­ei­nen. Bran­don San­der­son kann das ganz gut.

Viel­leicht ist es genau die­ser Aspekt des Nai­ven der Fan­ta­sy, der das Poten­ti­al einer Pein­lich­keit ent­hält, wes­halb der Ton in man­chen Büchern zwi­schen Lächer­lich­keit oder Zynis­mus schwankt. Ich erwar­te von einem Autor einen ernst­haf­ten, sou­ve­rä­nen Ton. Man darf nicht mer­ken, dass er mit der Sache an sich hadert. Oder so tun als wür­de die Welt einen zwin­gen, lächer­lich oder zynisch mit ihr umzu­ge­hen. Das ent­spricht nicht mei­ner Welt­sicht.

Auch wenn die Dra­ma­tur­gie der Sto­ry jetzt nicht so berau­schend war, hat mir doch die Geschich­te im Stil eines Impe­ria­lis­ti­schen Rei­ches mit Struk­tu­ren aus dem 19. Jahr­hun­dert ganz gut gefal­len.

Sogar Roman­tik ist sehr schön ein­ge­wo­ben. Ver­trau­en, Freund­schaft und Lie­be neh­men einen brei­ten Raum ein. Das ist eine Art von Roman­tik, die ich von Men­schen mitt­ler­wei­le sogar erwar­te und nicht nur als Sah­ne­häub­chen betrach­te.