All that Jazz

Seit Febru­ar bin ich wegen der Ver­let­zung am Fuß in die Anfän­ger­grup­pe mei­ner Bal­lett­schu­le gewech­selt. Ich habe aber gemerkt, dass es sinn­los ist, auch nur die Anfän­ger- und Basis-Übun­gen nicht rich­tig auf dem lin­ken Fuß aus­füh­ren zu kön­nen. Außer­dem kann ich kein Bal­lett machen, ohne die lin­ken Zehen zu belas­ten.

Ich habe auch noch Work­shops besucht, auch im August. Die Abschluß­be­spre­chung mit dem Arzt der Kli­nik muss­te ich wegen Urlaub auf Sep­tem­ber ver­schie­ben.

Ende August lief ich im Urlaub zwei Wochen nur bar­fuß, weil wir am Strand waren, ich habe die meis­te Zeit mein Buch gele­sen und bin wenig gelau­fen. Die Zehen wur­den bes­ser, mini­mal, aber bes­ser.

Der Arzt in der Kli­nik konn­te mir nicht sagen, was ich tan­zen darf und was nicht, weil er sich nicht aus­kann­te (was auch nicht zu erwar­ten ist). Ich beschrieb ihm also die Bewe­gun­gen genau und fra­ge sehr genau nach. Die Aus­sa­ge war klar und deut­lich: die klei­nen Zehen soll­ten am bes­ten gar nicht bewegt wer­den. Nicht ein biss­chen, nicht lang­sam, nichts, gar nichts. Der Hei­lung­pro­zess dau­ert auch mit abso­lu­ter Ruhe sehr lan­ge und jede Belas­tung ver­zö­gert den Pro­zess oder ver­schlim­mert ihn sogar, was zum Bruch füh­ren kann, was, so sag­te er, gar nicht gut wäre. Ein „gar nicht gut“ von einem Fach­mann zu hören, der sowie­so schon mit sei­nem Latein am Ende ist, ließ bei mir die Alarm­glo­cken hoch gehen.

Ich ent­schied noch im sel­ben Moment, mit dem Bal­lett auf­zu­hö­ren und auf unbe­stimm­te Zeit zu pau­sie­ren. Schluss. Aus. Stopp.

Ich such­te mir neue Schu­len und Kur­se, die auch zeit­lich bes­ser lagen. Ich neh­me jetzt Unter­richt im Modern Jazz, bei einer Leh­re­rin, die ich schon kann­te, und deren Stil ich aus­ge­spro­chen anspre­chend und inter­es­sant fin­de. Es ist sehr anspruchs­voll und ver­dammt jaz­zy, das heißt sexy, weil es Schul­tern- und Hüft­be­we­gun­gen betont. Sehr her­aus­for­dernd für mich, aber geht genau in die Rich­tung, die ich ziem­lich cool fin­de. Außer­dem neh­me ich Unter­richt in Con­tem­po­ra­ry an einer neu­en Schu­le, auch bei einem Leh­rer, bei dem ich bereits seit einem Jahr Unter­richt neh­me. Ich habe zum Glück noch den letz­ten Platz in der Grup­pe bekom­men, die schon sehr voll ist. Der Unter­richt ist bekannt, die Grup­pe ist neu, was für mich ein wenig Zeit bedeu­tet, bis ich mich ein­ge­lebt habe und wohl füh­le. Aber die sind ja alle immer sehr nett und mitt­ler­wei­le habe ich ja eine gewis­se Sou­ve­rä­ni­tät ent­wi­ckelt, im Ver­hält­nis zu frü­her sogar eine ganz enor­me Sou­ve­rä­ni­tät. Sou­ve­rä­ni­tät kann man ein­fach über­set­zen mit „Mir doch egal, was die ande­ren den­ken“.