10 Kilo

Auf dem Cam­ping­platz in Grie­chen­land gibt es hin­ter dem Super­markt einen offe­nen Raum, in dem Fit­ness­ge­rä­te ste­hen, von der sal­zi­gen Meer­luft ver­ros­te­te Gerä­te, deren Bedie­nung ich meist nur erra­ten kann. Nur die Lang­han­tel­bank und die schrä­ge Bank für Crun­ches ken­ne ich. Die schrä­ge Bank ist das Bes­te für die Bauch­mus­keln und ich über­le­ge schon lan­ge, mir so ein Teil für zuhau­se zuzu­le­gen.

Auf der Lang­han­tel­bank liegt ein stäm­mi­ger Mann mit rasier­tem Kopf und hebt das Ding mehr­mals hoch als wäre es aus Sty­ro­por. Als er fer­tig ist prü­fe ich die Gewich­te und sehe auf bei­den Sei­ten 25 Kilo. Ich bekom­me das Ding nicht mal hoch. Ich neh­me jeweils 15 Kilo weg und mit 20 Kilo ins­ge­samt schaf­fe ich gut zwan­zig­mal. Das mache ich jeden Tag und fin­de es sehr ange­nehm, die Bank stärkt den Rücken, man kommt mit den Ellen­bo­gen viel wei­ter run­ter als auf dem Boden und die lan­ge Stan­ge hält die Balan­ce ruhig.

Ich über­le­ge lan­ge, wo ich mir zuhau­se so ein Ding hin­stel­len könn­te, fin­de aber kei­nen geeig­ne­ten Platz. Ich muss mich mit mei­nen Kurz­han­teln begnü­gen.

Wie­der zurück aus dem Urlaub fah­re ich in die Stadt und gehe ins Sport­ge­schäft. 20 Kilo, also vier­mal Fünf. Ich hebe das Paket hoch und weiß, dass ich das nie­mals auf dem Rad im klei­nen, alten Ruck­sack sechs Kilo­me­ter nach Hau­se bekom­me. Einer die­ser halb­be­wuss­ten Spon­tan­käu­fe, die ich nicht gezielt geplant habe, son­dern „nur mal gucken“ woll­te.

Ich neh­me die Pake­te mit jeweils 2,5 Kilo pro Schei­be und den­ke, das muss erst ein­mal rei­chen, zusam­men mit den ande­ren Gewich­ten, die schon drauf sind. Das Gewicht von einem Kas­ten Was­ser in der Grö­ße eines hand­li­chen Päck­chens. Ich tra­ge sie zur Kas­se und die Ver­käu­fe­rin erzählt mir, wie lus­tig das ist, wenn die Frau­en für ihre Män­ner oder Söh­ne zu Weih­nach­ten Han­teln kau­fen und dann die Pake­te nicht aus dem Laden krie­gen, weil die Tüten rei­ßen und man die Pake­te zwar kurz hoch bekommt, aber eben nicht lan­ge genug. Um sie hoch zu bekom­men hat man Kraft, aber man denkt nicht an die Fak­to­ren Weg und Zeit. Haha, lache ich, jaja, packe die hand­li­chen Pake­te in mei­ne klei­nen Ruck­sack, hebe ihn hoch und habe Angst, das der Rie­men reißt. Es ist so ein klei­ner mit einem Rie­men, den man sich schräg über den Rücken legt, das Modell gibt es schon lan­ge nicht mehr, dabei lie­be ich ihn sehr und wür­de ihn ger­ne neu kau­fen.

Ich schlep­pe den Ruck­sack mit bei­den Hän­den raus und will mir kei­ne Blö­ße geben. Ich sehe aus als wür­de ich den Kopf mei­ner Groß­mutter oder Schlim­me­res trans­por­tie­ren. Die Leu­te gucken mir nach und betrach­ten mich leicht ver­ängs­tigt.

Drau­ßen auf dem Rad neh­me ich eine gebück­te Hal­tung ein, was das Gewicht auf mei­nen Rücken ver­la­gert und das Gewicht nicht mehr so nach unten zieht. Trotz­dem mer­ke ich, wie ich weni­ger Balan­ce habe und die sechs Kilo­me­ter nie­mals durch­hal­ten wer­de, ohne mir irgend­was zu ver­zer­ren oder ver­span­nen. Das kann ich mir nicht leis­ten und so rich­tig ver­kehrs­si­cher bin ich auch nicht. Ich ent­schei­de mich, bis zum Bahn­hof zu fah­ren und dort das Rad abzu­stel­len und mit der Bahn wei­ter­zu­fah­ren.

Den Ruck­sack mit bei­den Hän­den vor dem Bauch hal­tend kom­me ich heil an und set­ze die Schei­ben auf die Han­teln. Ich mer­ke, dass es längst nötig war, die Gewich­te zu erhö­hen. Wenn man immer mit den sel­ben Gewich­ten arbei­tet, bringt das auf Dau­er nichts. 20 Kilo wären aber wirk­lich zu viel gewe­sen für die Kurz­han­teln.

War­um ist das für Bal­lett eigent­lich wich­tig? Nur für’s Auge, für die Linie, für die Form. Ich hebe ja kei­ne Frau­en, des­halb ist es eigent­lich nicht nötig, aber ich fin­de, es sieht bes­ser aus.