Mittelalter

Mit­tel­al­ter­fes­te sind hier in der Gegend sehr beliebt, das ers­te habe ich 1995 erlebt und fand es sehr amü­sant und erstaun­lich, weil ich mich frag­te, wie sie das für die paar Tage kom­plett auf­bau­en konn­ten.

Ich kann­te Mot­to­par­ties (spon­ta­ne Ver­klei­dung) und Wein­fes­te in Ham­burg (Men­schen, die im Süden leben, stel­len im Nor­den aus), aber wo kamen denn dann die Mit­el­al­ter­aus­stel­ler her? Aus dem Mit­tel­al­ter wohl kaum.

Weil die Kin­der sol­che Fes­te sehr mögen, besu­chen wir sie, wenn wir zufäl­lig davon hören und immer noch fra­ge ich mich, wie die Aus­stel­ler das orga­ni­sie­ren und finan­zie­ren. Die klei­nen Händ­ler, neh­me ich an, machen das neben­her bis haupt­säch­lich (Töp­fer, Schmied etc.), man­che sehen das eher als Mot­to­par­ty für zwi­schen­drin und man­che schei­nen sich regel­mä­ßig zu tref­fen und so zu leben. Ich stel­le mir dann vor, wie der Gehirn­chir­urg nach geta­ner Arbeit zu einem Tref­fen fährt, sich dort die Metall­rüs­tung über­wirft und dem befreun­de­ten Ver­triebs­lei­ter für Des­sous und Wäsche, der sich als Mönch ver­klei­det hat, mit kräf­ti­gem Schlag auf den Rücken klopft und mit lau­ter Ges­te begrüßt.

Letz­tes Wochen­en­de fand eines der Fes­te in Angel­bach­tal statt, einer klei­nen Stadt in einer Gegend mit ande­ren klei­nen Städ­ten. Damit unser Aus­flug den rich­ti­gen Rah­men bekommt, habe ich mit den Kin­dern und einer Freun­din mei­ner Toch­ter gezel­tet. Willst Du Dir das wirk­lich antun? frag­te mich mei­ne Frau und die Eltern des Mäd­chens. Ja, woll­te ich, frei­wil­lig und ger­ne. Ich mag das zeit­lich begrenz­te, kon­trol­lier­te Aus­stei­gen. Ohne es zu mer­ken, nahm ich als ein­zi­ges Buch „Wal­den“ von Tho­reau mit. Ein tol­les Buch. Nach der Geschich­te von Chris­to­pher McCand­le wird deut­lich, dass es nicht dar­um gehen kann, sich nackt ins kal­te Was­ser zu stür­zen, son­dern sich zu fra­gen, wie man das Was­ser warm bekommt ohne Durch­lauf­er­hit­zer.

Der Cam­ping­platz, auf dem wir gezel­tet haben, war nur zehn Minu­ten Auto­fahrt von der Ver­an­stal­tung ent­fernt. Ein klei­nes Fami­li­en­un­ter­neh­men mit einer Ein­rich­tung, die seit 1950 in immer­glei­chem Zustand gehal­ten wird, und mit sehr net­ten Men­schen. Wir hat­ten das Zelt direkt an einer gro­ßen Wie­se auf­ge­baut, hin­ter der gleich der Wald anfing. Für mei­ne Kin­der und die Freun­din war es das Para­dies. Wir aßen aus Dosen, rös­te­ten das Brot in But­ter und tran­ken Was­ser aus dem Hahn.

Soll­te ich mal wie­der auf einem Cam­ping­platz mit dem Zelt über­nach­ten, darf ich drei Din­ge nicht ver­ges­sen: einen Gum­mi­ham­mer für die Herin­ge, eine Schüs­sel für das Geschirr und Ohren­stöp­sel für den Schlaf. Das ver­ges­se ich näm­lich immer.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert