Hamburg

Mei­ne Kind­heit und Jugend habe ich in Ham­burg ver­bracht. Wir wohn­ten in einer Sied­lung, in der es heu­te ein Kin­der­mu­se­um gibt. Ich zog nach Hei­del­berg als ich Anfang zwan­zig war.

Ich habe mich letz­tes Wochen­en­de mit drei mei­ner alten Schul­freun­de getrof­fen. Wir waren eine fes­te Grup­pe, die sich nach der Schu­le sel­ten gemein­sam traf. Sie besuch­ten mich ein­mal in Hei­del­berg. Das letz­te gemein­sa­me Tref­fen war vor sieb­zehn Jah­ren. Wir wer­den uns jedes Jahr ein­mal tref­fen, in unse­rer alten Sied­lung. Mit kal­tem Hols­ten.

Es beschäf­tigt mich schon län­ger, dass ich mein Leben etwas mehr mit Musik und Tanz ver­bin­den wür­de und sich lang­sam mal etwas mehr ein Hei­mat­ge­fühl ein­stellt. Mit der Hei­mat ist es wie mit der Lie­be: man muss selbst etwas dafür tun. Alter­na­tiv wird man zum ein­sa­men Wan­de­rer. Auch eine Opti­on. Aber irgend­wo dazwi­schen will ich mich bewe­gen.

Wir hat­ten gemein­sam das The­ma und konn­ten nur ein Lied und das noch nicht mal zur Hälf­te: Ick heff mol en Ham­bor­ger Veer­mas­ter sehn. Wir san­gen es gemein­sam, voll­kom­men ohne Iro­nie. In dem Moment war mein Ent­schluss klar: Ich wer­de Shan­ties ler­nen. Ich habe mir bereits zwei Bücher besorgt: Wind­jam­mer-Lie­der von Stan Hugill und Shan­ties von Gil­bert Ober­mair. Den ers­ten Ver­such habe ich gestar­tet.

Lea­ve her, John­ny, lea­ve her wur­de am Ende der Rei­se gesun­gen. Die See­leu­te haben all das gesagt und gesun­gen, was man auf der Rei­se nicht sagen durf­te.

Oh, the time wuz hard an the wages low,
lea­ve her, John­ny, lea­ve her!
but now once more ashore we’ll go,
an’ it’s time for us to lea­ve her!

Lea­ve her, John­ny, lea­ve her!
Oh, lea­ve her, John­ny lea­ve her!
For the voy’ge is done, an’ the winds don’t blow
an it’s time for us to lea­ver her!

Oh, I thought I heard
the Ol’ Man say,
tomor­row ye will ge your pay.

The work wuz hard
an’ the voya­ge was long,
the sea wuz high an’ the gales wuz strong.

The wind wuz foul an’ the sea ran high,
she ship­ped it green an’ none went by.

The grub wuz bad an’ the wages low,
but now once more ashore we’ll go.

Oh, our Ol’ Man he don’t set no sail,
we’d be bet­ter off in a nice clean jail.

We’d be bet­ter off in a nice clean jail,
with all night in an’ ple­nty of ale.

She’s pover­ty-stri­cken an’ parish-rig­ged,
the bloo­min’ crowd is fever-stri­cked.

Oh, sing that we boys will never be,
in a hun­gry bitch the likes of she.

The mate wuz a bucko an’ the Ol’ Man a Turk,
the bosum wuz a beggar with the midd­le name of work.

The Ol’ Man swears an’ the mate swears too,
the crew all swear, an’ so would you.

It’s growl yer may, an’ go yer must,
it mat­ters not whe­ther yer last or fust.

The ship won’t steer, nor stay, nor wear,
and so us shell­backs lear­nt to swear.

The winds were foul, all work, no play,
to Liver­pool docks from ’Fris­co Bay.

We were made to pump all night an’ day,
an’ we half-dead had beggar-all to say.

We’ll lea­ve her tight an’ we’ll lea­ve her trim,
an’ we’ll hea­ve the hun­gry bas­tard in.

Oh, lea­ve her, John­ny, an’ we’ll work no more,
of pump or drown we’ve had full store.

The sails are fur­led an’ our work is done,
an’ now ashore we’ll have our bit of fun.

We’ll make her fast and stow our gear,
the gals are awai­ting on the pier.

Ich wer­de bei unse­rem nächs­ten Musik­abend die­sen Shan­ty mit denen sin­gen. Als zwei­ten Song suche ich mir einen iri­schen Pub-Song. Bei mei­ner Recher­che stieß ich dabei auf Sean nós, was so viel heißt wie „alter Stil“, gemeint sind damit ein per­kus­si­ver Tanz, der mit Leder­soh­len­schu­hen getanzt wird und ein Gesangs­stil. Dem Gesangs­stil wer­de ich mich nicht wid­men, aber dem iri­schen Tanz.

Wenn ich es schaf­fe, mel­de ich mich beim Hoch­schul­sport für einen Kurs Irish Dance an. Sean nós wird hier in der Nähe lei­der nicht unter­rich­tet, der nächs­te Work­shop ist in Wies­ba­den, das ist mir ein Tick zu weit.

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