Es gibt eine Figur, die ich in vielen Geschichten finde, und die mir wahnsinnig auf die Nerven geht: Die schweigsame Figur, die aufgrund schlechter Erlebnisse, nur noch das Nötigste sagt oder tut, was getan werden muss, stoisch, lakonisch.
Diese Figur ist cool und Vorlage für uns Jungs im Alter von etwa acht Jahren gewesen.
Mir ist das nie aufgefallen, aber als ich darüber nachdachte, merkte ich, dass das immer wieder dieselbe Figur ist, die nur in verschiedenen Rollen auftritt und überall zu finden ist.
Dabei ist es ein Klischee der Trivialliteratur, eine Erfindung des Groschenromans, abgeleitet aus isländischen Sagas, und offensichtlich so attraktiv, dass sie überall bis heute auftaucht. Wenn es eine Nebenfigur ist, finde ich es erträglich, aber in moderner Fantasy ist es oft die Hauptfigur, und das nervt mich gewaltig. Es verursacht ein inneres Augenrollen bei mir.
Sam Spade, Philip Marlowe, Conan, Clint Eastwood, Aragorn (wobei der wirklich sympathisch ist), Frank Castle/The Punisher (gerade wieder im neuen Spider-Man gesehen), Han Solo, Indiana Jones (ähnlich Aragorn eher ganz lustig, was an den Schauspielern liegt), Geralt von Riva, Kvothe, Kaladin.
Und natürlich konnten sie nur durch attraktive Partnerinnen gefixt und weichgeklopft werden (heute nicht mehr so).
Das Innenleben der Figuren in modernen Fantasy-Büchern bekommt mehr Raum, deshalb sind sie dort nicht ganz so flach und wortkarg.
Schauspieler können der Figur eine amüsant-verschmitzte Note geben, in Büchern kommt das nicht zum Tragen.
Durch den gesellschaftlichen Wandel seit den 70ern, ist diese Figur auch als Frau zu finden (Terminator 2, Kill Bill, Lisbeth Salander).
Die Figur befriedigt unser Bedürfnis nach Kontrolle, dem Wunsch, das Wenige und Richtige zu sagen und zu tun in einer Welt, die einem zu ungeordnet oder komplex oder geradezu chaotisch erscheint.
Aber wehe, die Figur verliebt sich. Das geht gar nicht. Liebe ist Kontrollverlust und viel zu dynamisch.

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