Urlaubstagebuch

Nicht wirklich ein Urlaubstagebuch. Ich war zu faul im Urlaub, hatte Worte im Sinn geformt und auf Halde gelegt, damit ich sie später runterschreibe.

Wir haben ein neues Auto, das nicht ganz so viel Platz im Kofferraum hat, aber für genau vier Koffer hat es gereicht. Ich musste mir einen kaufen und fand einen extrem runtergesetzten in Gelb. Warum der so günstig war, sah ich, als er ankam. Das Gelb war noch schlimmer als auf dem Bild. Ein Warnwesten-Gelb. Ich habe schon überlegt, ein Biohazard-Logo in transparent draufzukleben. Das wäre am Flughafen allerdings nicht so eine gute Idee, denke ich.

Wir hatten, wie letztes Jahr, eine Zwischenstation in Dole eingelegt, weil wir nicht gerne lange Auto fahren.

Wir sind wieder mit beiden Kindern gefahren, die ja gar keine Kinder mehr sind. Die Konstellation ist schon etwas ungewöhnlich: zwei um die sechzig und zwei Anfang/Mitte zwanzig. Die neunzehnjährige hat schon angekündigt, dass sie nicht mehr mit uns in den Urlaub fährt. Das finde ich auch O.K., sie hat jetzt wirklich ihre eigenen Vorstellungen.

Man muss sich ständig um das Essen kümmern, und je größer die Gruppe, desto mehr Arbeit hat man damit. Noch blöder sind Zwischenstationen, weil man ständig das Essen mitschleppen muss, und nicht alles lässt sich problemlos transportieren.

Jede/r hat einmal gekocht und wir sind essen gegangen, was nicht so einfach war, wenn man gut und günstig essen wollte.

Wir haben praktisch die Hälfte der Zeit Nudeln mit Pesto bzw. Soße gegessen.

Zwei sind Vegetarierer, zwei nicht. Nicht jede/r isst alles. Nur ich, ich esse alles, außer fermentierten Fisch. Das macht die Sache nicht einfacher.

Frischen Fisch hätte ich gerne auf dem Markt gekauft, aber die Fischabfälle wollte ich nicht in der Wohnung haben. Wir müssen den Müll einen Kilometer weit zur Tonne bringen. Ich habe einmal Nudeln mit frischen Tomaten und Meeresfrüchten gemacht. Ich war nicht zufrieden, ich hatte frische Tomaten genommen und die haben zu viel Flüssigkeit abgegeben. Die tiefgekühlten Meeresfrüchte hätte ich auch tauen und abtropfen sollen. Aber ich hatte nicht so viel Zeit und Kochen braucht Zeit. Am liebsten bereite ich einen schmackhaften, gut eingekochten Sud in der Pfanne vor, tu die Nudeln al dente rein, gebe zwei Kellen Nudelwasser hinzu und koche sie fertig. Soße und Nudeln haben sich dann verbunden. Das ist perfekt. Die Technik habe ich mir von Chef Luca Corleone abgeguckt, dessen Rezepte und vor allem dessen Zubereitung für mich ein Vorbild ist.

Wir hatten wieder das traumhafte Häuschen mit Meerblick und großer, schattiger Terrasse unter See-Kiefern. Man hat ständig Harz irgendwo kleben, deshalb musste ich mir Flip-Flops besorgen.

Den ersten Abend gibt es immer Nudel mit Pesto oder Fertigsoße, weil man das mitnehmen kann und nicht viel Platz braucht.

Im Kühlschrank hatten die Vermieter Bier und Wein kalt gestellt. Das fand ich extrem nett.

Mit der Taschenlampenfunktion und einer Bierflasche kann man stimmungsvolle Lichter gestalten.

Sobald man Wurst, Fisch oder Fleisch isst, kommen Wespen. Ich hatte die Idee, ein Navi für Wespen zu entwickeln.

Wir haben nicht lange gewartet und sind gleich Muscheln essen gegangen.

Dieses Mal sind wir dann endlich mit dem Zug nach Marseille gefahren und weil es so schön war gleich danach nochmal. Die Läden hatten es uns und unseren Töchtern angetan, vor allem die Second-Hand-Läden.

Meine Frau hatte im Urlaub Geburtstag, deshalb kaufte ich einen Strauß Trockenblumen, die dann aber durch die Transporte leider ziemlich gelitten haben. Ich habe gemerkt, wie schön ich Trockenblumen finde.

Ich war schon ziemlich angetan von der Farbigkeit und Buntheit dieser Stadt. Ramschig und runtergekommen, aber auch imposant und schön. Ich fand das Prinzip „einach alles bunt malen“ unglaublich charmant.

Die meiste Zeit haben wir damit verbracht, zu lesen, zu spielen, uns um das Essen zu kümmern, zu essen.

Kurz vor dem Ende verbrachten wir noch zwei Tage in Abt, ein Städtchen, das wir letztes Jahr in der Nähe hatten. Das war eigentlich eine nette Idee, aber das Abfahren und Anfahren ist dann doch ziemlich aufwendig mit vier Leuten.

In Abt hatte meine Frau Geburtstag. Ich hatte ihr Karten für First Aid Kit gekauft, die nach Heidelberg kommen, brauchte aber noch einen Umschlag. Ich habe verzweifelt DINlang-Umschläge gesucht und bloß welche mit vorgedruckten Linien gefunden. Ich habe den Umschlag dann verschönert und dabei meine Leidenschaft für Aquarell-Blümchen-Malerei entdeckt. Das ist ja unglaublich meditativ und befriedigend.

Wir sind essen gegangen, wie wir sonst eigentlich nicht essen gehen. Französische Küche kann recht roh und rustikal sein. Die Kinder hatten jeweils rohen Fisch (Tartar, das wird dir schmecken, das ist wie Sushi). Wir mussten an Mr. Bean und seinen Tartar denken. Ich habe ein Entrecôte gegessen, weil ich dachte, dass sei typisch Französisch. Ja, es war rustikal eben. Aber eine sehr leckere Soße. Ich glaube, die Kinder hätten sich mit Pommes und einem Topf dieser Pilzsoße zufrieden gegeben.

Der Markt in Abt ist toll. Wir haben dort Käse gekauft, der ist ein Genuss.

Die Wohnung, in der wie übernachtet haben, war in einem ziemlich renovierungsbedürftigen Altbau, aber wirklich schön innen. Der Boden war gekachelt, was ich mir im Winter ziemlich ungemütlich vorstellen kann. Ich dachte, dass ich in so einer Wohnung in diesem Ort doch auch gut arbeiten könnte. Home-Office in Abt. Das hatte ich schon in Irland überlegt. Leider geht das laut meinem Arbeitgeber technisch nicht. Ich glaube, dass das technisch machbar wäre. Aber ich wollte auch gar nicht von dort arbeiten, weil ich dann keine Lust mehr hätte zu arbeiten, sondern lieber mit einem Rotwein auf der Terrasse säße und ein Buch lesen würde.

Und weil wir alle wieder arbeiten beziehungsweise studieren müssen, sind wir dann nach Hause gefahren.

Ein Kommentar zu „Urlaubstagebuch"

  1. Vielleicht passt die Street Art da am besten, wo es ohnehin schön und lebendig ist. Es gibt auch Orte, an denen ich sie eher deprimierend finde.

    Vermisse ein Foto des gelben Koffers 😉

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