So richtig aufmerksam auf Bonobo bin ich erst durch durch den spontanen Auftritt von Anna Lapwood am Ende seines Konzertes in der Royal Albert Hall. Die Geschichte und die Musik erzeugen bei mir bis heute eine Gänsehaut.
Anna Lapwood ist Organistin und durfte in der Royal Albert Hall an der Orgel proben und studieren. Ihr Slot war nachts, weil die Halle tagsüber genutzt wurde.
Bonobos letzte Probe vor seinem Konzert am nächsten Tag und Anna Lapwoods Beginn ihrer Proben überschnitten sich. Bobono räumte zusammen und hörte sie an der Orgel spielen. Er riefen nach oben, dass sie Toccata spielen soll, was sie tat. Spontan fragte er sie, ob sie zum letzten Stücks seines Auftritts an der Orgel spielen würde. Er drückte ihr ein paar Noten in die Hand und sie spielte am Schluss mit.
Der Effekt muss enorm gewesen sein, weil das Publikum nicht damit gerechnet hat. Von da an hatte Anna Lapwood die Aufmerksamkeit eines völlig neuen und anderen Publikums, hat zwei Alben rausgebracht und tourte durch die Welt, unter anderem spielte sie im Kölner Dom und der Elbphilharmonie.
Was man immer im Hinterkopf behalten sollte, wenn man denkt, dass klassische Musiker und Musikerinnen sich aus kommerzielen Gründen dem Pop öffnen: Diese Musiker und Musikerinnen sind auch nur Menschen, die sich über frenetischen Jubel und echte Begeisterung freuen. Menschen, denen das Herz bis zum Hals schlägt. Die hören nicht nur Bach im stillen Kämmerlein, sondern nehmen genau so Teil am Rest der Musikgeschichte.
Anna Lapwood hat eine klassische Ausbildung, Bonobo hat sich alles selbst beigebracht. Beide kamen aus Leidenschaft zur Musik zusammen und haben etwas dargeboten, was die Menschen zutiefst erreichte. Darum geht es.

Zurück zu Bonobo. Er hat jetzt ein neues Album rausgebracht, Distance in Static, was gerade zur richtigen Zeit kommt. Es ist die Art Musik, die ich gerne im Hintergrund höre, die mich aber durch Melodie und Rhythmus immer innerlich zum Tanzen bringt. Irgendwo zwischen Ambient und Dance Floor. Es gibt nicht so viele Alben, die diese Melodik und diesen Zug durchgängig haben. Tourists „Inside Out“ ist so ein Album, das ich immer wieder von vorne bis hinten hören kann, ohne dass es mir langweilig wird.
Distance in Static hat ein paar Balladen, Songs mit Gastsängerinnen. Das bringt eine schöne Abwechslung mit rein.
Sehr schönes, neues Album, das passend zum Übergang vom Sommer zum Herbst kommt und mich auf die dunkleren und kälteren Tage vorbereitet. Noch ein bisschen Wärme mitnehmen.
