Ich habe seit Jahren eine Leinwand im Keller stehen, die jemand wegwerfen wollte, was ich nicht mitansehen konnte. Das Teil hat aber ein ziemliches Gewicht, weshalb ein einfacher Nagel nicht reicht.
Gestern musste ich im Bauhaus eine Propangasflasche als Ersatz kaufen, denn wenn heute Abend beim Gulasch das Gas ausgeht, stehen wir doof da mit halbgarem Essen. Im Flur steht bereits die neue Induktions-Herdplatte, aber dafür muss erst einmal der alte Gasherd abgebaut werden, und ich hatte noch keine Zeit und Nerven dafür.
Ich bin dann noch gemütlich durch das stille, weihnachtliche Bauhaus gebummelt. Meine Winkelgasse. Herrlich, diese Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern mit der himmelsgleichen Akustik. Die Frau fragt, ob ich mit zu Bach in die Kirche komme. Nein, sage ich, ich setze mich ins Bauhaus in ein gepolstertes Gartenmöbel, schließe die Augen und lausche den engelsgleichen Klängen der heiligen Hallen.
Keine Kraft für das, was ich gerade eigentlich brauche.
Ich aktiviere meine Bastelenergie, kaufe einen Bohrer und eine passende, sehr stabile Schraube, die nicht konisch zusammenläuft. Haken in der Form finde ich nicht.
Basteln gibt mir die Kraft, die ich gerade brauche.
Zuhause hole ich den Bohrhammer aus dem Keller, stecke den Bohrer in das Schnellspannfutter und fühle mich wie Robocop. Ich setze die Bohrmaschine an die Wand, spanne meine Muskeln an, drücke den Abzugsschalter und bin mit ein paar Umdrehungen in der Wand. Plop. Ein sauberes, tiefes Loch. Wie ein Auftragskiller sein Präzisionsgewehr räume ich die Bohrmaschine wieder weg, mechanisch, konzentriert und hochbefriedigt.
Ich schiebe den Dübel sanft in die Wand und drehe die Schraube hinein. Ich spüre den leichten Gegendruck, der immer stärker wird, die Kraft der Spannung, den Aufbau der Stabilität. Die Schraube ist in der Wand, für alles bereit.
Ich ziehe die Leinwand auf und hänge sie ein. Ein bisschen wellig ist sie. Ich platziere den Beamer, stöpsel die Lautsprecher an, schiebe die Manic Street Preachers-DVD in den Player und spiele die Videos ab.
Der Aufwand hat sich gelohnt, das Bild ist sehr viel besser mit Leinwand.
Mit der Familie gucken wir dann aber nicht Manic Street Preachers, sondern Last Christmas, der deutlich besser ist, als befürchtet. Ich fand ihn wirklich entzückend.