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03. March 2026 3 Min. Lesezeit

Wer hat Angst vor ...?

Die übliche Vorstellung von Kunst ist: Da ist ein Mensch, der sich körperlich, sinnlich und ästhetisch mit der Welt auseinandersetzt. Wenn er ein kommunikationsfähiges, herzeigbares Objekt entwickelt, interpretieren Menschen es und vermuten, dass dahinter mehr steckt als auf den ersten Blick zu sehen ist. Das ist tatsächlich auch so, nur sind das zwei unterschiedliche "Mehrs". Indem wir uns auf ein gemeinsames "Mehr" verständigen, schaffen wir eine Form von Verständnis, das nur über die Kunst erreicht werden kann.

Aber Kunst und Kultur ist auch Folklore, vordergründig einfaches Verständnis. Modern sind Schlager, Pop, Populäres. Wir setzen Einfaches oder Verständliches mit "schlecht" oder "minderwertgkeit" gleich. Was man dabei vergisst ist, dass dahinter mehr steckt als vordergründig wahrnehmbar. Und die Frage grundsätzlich: Warum soll das schlecht sein? Diese alte und überholte E- und U-Kultur-Vorstellung findet jetzt ihren explosiv und stark verstärkten, emotional aufgeladenen Ausdruck. Nur noch eine extreme Moral kann jetzt noch Orientierung verschaffen, eine Moral, die nur noch Hass oder Liebe kennt.

Vielleicht war das Minderwertige, Einfache und Verständliche einfach nur jahrelang so wahnsinnig attraktiv und nützlich. Oder hat man nicht 1984 erkannt, dass die im Computer angelegten Tabellen der VHS-Sammlung nicht bereits einfach komplett überflüssiger Schrott waren? Vielleicht erkennen wir jetzt einfach bloß, dass der Kaiser schon immer nackt war? Dass Desktop Publishing in Werbeagenturen vorangetrieben wurden, die den Sommerkatalog für Kleidung produzierten? Und jetzt werfen wir jungen Menschen vor, das sie sich im Internet nur für Mode interessieren. Menschen legen sich immer alles so zurecht, dass es für sie stimmig ist.

Ich halte eine grundsätzlich moralisch extrem Beurteilung der Situation jetzt für verlogen, weil die Leute sich einen Scheiß für Kunst und viel mehr für Geld und Moral interessiert haben.

KI erzeugt viel Mist und viel qualitativ Gutes, so ist das nunmal. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Ein anderer Punkt ist: Lügen und Falschinformation, aber da geht es um echte Lügen und Wahrheiten, Propaganda. Eine Bild, Video oder Musikstück lügt nicht, weil es nicht auf Text und sprachlicher Logik basiert. Dies ist keine Pfeife.

Das ist vor allem eines: witzig. Wir lachen darüber, weil wir damit den Konflikt in unserem Denken auflösen. Humor ist ein ganz wesentliches Element klugen Denkens und Kunst ist voller Humor.

KI zeigt uns, was für ein alberner Hochstapler das Internet sein kann. Wenn wir das nicht auch verlachen können, dann nutzen wir unsere klugen, menschlichen Möglichkeiten nicht.

Etwas nicht ernst nehmen heißt auch, etwas anderes sehr ernst nehmen. Ich halte den Humor für eine der ernsthaftesten Dinge überhaupt.

Eine der ersten Erkenntnisse, die wir in den Nullern hatten, als wir auf Twitter waren, war: Ironie funktioniert nicht im Internet. Das Medium kann keine subversiven Inhalte vermitteln. Es besteht ein Zusammenhang von Kunst, Humor und Intelligenz, einem kreativen "Um-die-Ecke-Denken". Da geht es um die Schwelle von Genie und Wahnsinn, nicht um kurze Räusche oder Halluzinationen.

Die Themen "Handwerk" und "Urheberrecht" sind wieder andere Themen. Da sind wir wieder bei der Diskussion, ob Konzeptkunst, also gepromtete, sozusagen, überhaupt Kunst ist.

Mein Punkt ist: Auch wenn es eine gedankliche Herausforderung ist, sollten wir versuchen, keine harte Grenze zu ziehen zwischen gut und schlecht, richtig, falsch, menschlich, digital, E und U-Kultur, klug und dumm, arm und reich. Das spaltet uns. Im Moment sehe ich davon zu viel und zu extrem. Meine Toleranz ist da gerade ziemlich am wackeln.

Wenn jemand sagt: KI produziert etwas, das kein Herz hat (ein Musikstück) und reproduziert nach einfachen Schablonen und Klisches, wie es auch Pop oder Country oder Schlager tun, dann sind das zwar zwei nebeneinanderstehende Aussagen, aber gemeint, und nur nicht ausgesprochen, ist damit die Vorstellung, Pop oder Country oder Schlager hätten kein Herz. Wenn also sich jemand auf Gefühl und Herz beruft und es einfordert, dann soll er mit gutem Beispiel vorangehen. Das tun Menschen aber gerade nicht, im Gegenteil. Sie grenzen sich extrem ab. Hier E, da U. Die totgeglaubte Katze ist aus dem Sack.

Links:

Die gefährlichsten Firmen der Welt
KI: Der Tod des Internets

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