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Unkraut zupfen

Wir haben ein Reihenhausendstück und drumherum eine Buchenhecke, die den vielbelaufenen und -befahrenen Weg von unserem Garten und einsehbaren Wohnraum abschirmt. Wenn wir also nackt mir Blumengirlanden behängt durch die Wohnung hüpfen, schützt uns die imposante Buchenhecke. Aber nur im Sommer, wenn Blätter dran sind.

Die Hecke ist mein Endgegener. Wir haben einen winzigen Garten, aber die Hecke geht einmal um das halbe Haus, Länge plus Breite. Einmal Hecke schneiden versaut mir das ganze Wochenende, und ich bin den ganzen Tag beschäftigt.

Genau so unangenehm ist das Unkraut auf allen Vieren aus dem umlaufenden Weg zupfen und Laub, das sich dazwischen sammelt, kehren.

Immer, wenn ich das Unkraut zupfe, denke ich mir Namen dafür aus. Die Menschen waren bei der Benennung von Pflanzen immer ziemlich direkt und haben nichts beschönigt. Wenn etwas stinkt, heißt es Stinkraut, wenn etwas auf der Haut brennt und sich wie Seuche vermehrt, heißt es Teufelskraut, wenn etwas nichts Besonderes ist, heißt es gemeines Kraut.

Der Löwenzahn heißt zum Beispiel volkstümlich auch „Bettseicher“, Plattdeutsch „Pissblume“, frz. pissenlit. weil er harntreibend wirkt.

Und so krieche ich meterlang auf dem Boden, zupfe und denke mir Namen für die Pflanzen aus:

  • gemeine Stinkrauke
  • ordinäres Dreckskraut
  • kriechendes Mistblatt
  • stinker Harnwurz
  • invasives Pissblatt
  • stacheliges Kotzkraut

Im Vorgarten ist mal Ruprechtskraut gewachsen und immer, wenn es feucht war, hat es angefangen nach Aas zu riechen. Wir dachten, wir haben eine tote Maus im Keller. Bis ich dann mal gemerkt habe, dass es das Kraut war. Stinkender Storchschnabel oder Stinkstorchschnabel nennt man es auch, zurecht. Blöder, wiederlich stinkender Mistkackstorchschnabel.

Linné hat mit seiner Systematik Ordnung reingebracht und den volkstümlichen Benennungen den Garaus gemacht, aber ich spreche beim Unkraut zupfen Volksmund.

Ein Kommentar zu „Unkraut zupfen"

  1. I feel you. Meine Eltern hatten ein Grundstück an eine Kurve. Sicher 60 Meter davon Garten. Die Wochenenden „Straße machen“ reichten, um mir den Rest des Lebens alle Freude an Gartenarbeit zu versauen.

    Aber … was für ein kluges und lustiges Vorgehen von Dir. Eigentlich heißt es ja, dass die Götter einem die Kraft gebe können, die die zu ändern, die sich ändern lassen und die Geduld, die Dinge zu ertragen, die sich nicht ändern lassen. Aber ich glaube, es sollte besser heissen, dass sie einem den Humor geben sollen über die Dinge zu lachen, die man.l nicht änden kann.

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