Carro

Car­ro ist ein klei­ner Fischer-Ort. Natür­lich nicht roman­tisch mit bunt bemal­ten Holz­bööt­chen, son­dern modern, aber eben tra­di­tio­nell-modern.

Ich habe vor­ge­schla­gen, zur Ren­te hier hin zu zie­hen, aber unser Haus ist nicht abbe­zahlt und ich spre­che kein Fran­zö­sisch. Wird wohl nichts.

Den Tages­ab­lauf konn­te ich mir aber gut vor­stel­len. Mor­gens Fisch auf dem Markt kau­fen, Brot in der Bäcke­rei kau­fen, Buch lesen, am Strand spa­zie­ren, abends mit Freun­den Boule spie­len. Für mei­ne Bewe­gungs­freu­de müss­te ich dann auf Yoga umschwen­ken. Wobei das kein voll­stän­di­ger Ersatz für Bal­lett ist.

Die klei­ne Bade­bucht ist sehr voll, eben weil sie klein ist. Der Rest des Stran­des ist nicht zum Baden geeig­net. Rechts sieht man die Tan­ker vor der Küs­te und in der Fer­ne einen Indus­trie­ha­fen.

Also doch nicht.

In der Bäcke­rei kauf­te ich Pain au cho­co­lat, Beig­net und Brot. Pain au cho­co­lat bekommt man mitt­ler­wei­le auch in Deutsch­land. Das Beig­net war eine Geschmacks­explo­si­on aus Fett und Scho­ko­la­de. Ich kauf­te danach gleich noch­mal zwei.

Ich lie­be in Fett geba­cke­nen Teig. Schmalz­ge­bäck, Krap­fen, Beig­net. Beig­net heißt Beu­le. Das Fran­zö­si­sche ist lus­tig, mir fällt das an den Bal­lett­be­grif­fen auf, kon­kret, ohne Umschwei­fe und ohne Allü­ren wer­den die Din­ge ein­fach, ver­ständ­lich ana­log benannt, bild­haft und klar. Dabei klingt es aber wun­der­schön ele­gant. Die Kör­per­tei­le wer­den genau so benannt wie beim Schlach­ter.

Es ist kein Wun­der, dass das Fran­zö­si­sche als Spra­che der Lie­be gilt, weil sie mit einer Mischung aus bild­haft, kör­per­na­hen und sinn­li­chen Beschrei­bun­gen und klang­li­cher Ele­ganz spricht.

Kör­per­lich, lust­voll und ele­gant. Anders als im Deut­schen, das zu Abs­trak­tio­nen neigt, hart klingt und daher nüch­tern und ver­kopft spricht.

Ich kann ver­ste­hen, dass die Fran­zo­sen kei­ne ande­re Spra­che spre­chen wol­len. Ich bin wie­der ein­mal ver­sucht, Fran­zö­sisch zu ler­nen.

Wir aßen tags­über Muscheln und abends Fisch und Muscheln. Alles sehr fein und lecker.

Abends wur­de über­all Boule gespielt.

Es braucht nicht viel, um zu erken­nen, was das fran­zö­si­sche Lebens­ge­fühl und Selbst­ver­ständ­nis ist.