Wochenrückblick

Der Montag war ein gewöhnlicher Montag. Allerdings bin ich durch meine Rolle im Betriebsrat viel mehr eingebunden in Themen, Prozessen, Menschlichem, Allzumenschlichem. So bleibe ich bodenständig und halte meine Hirngespinnste im Zaum. Abends ins Ballett. Ich hatte nicht vor weiterzumachen, aber der russische Ballettlehrer ist Gold wert. Mit „russisch“ meine ich nicht die Nationalität als vielmehr die klassische Vaganova-Methode und wie man Tanz, Training und Technik versteht und unterrichtet.

Ich denke über meinen MRT-Befund und meine Halswirbelsäule nach. Stress ist auch der Themenkomplex, um den es geht, aber der Contemporary-Unterricht und auch das Yoga danach auch. Ich erkenne und beschließe entgültig, dass ich dort aufhören werde. Ich bin seit fast zehn Jahren an der Schule, ich hatte so viele Erlebnisse und Begegnungen und Freundschaften. Aber ich muss es tun, für meine Gesundheit.

Der Dienstag war anstrengend, abends schwänze ich Yoga und mache mir ein Ale auf und bastel am Solo-Rollenspiel.

Mittwochs Gespräche und Besprechungen, was Klärung bringt. Abends dann in der Tanzschule verkünde ich meine Kündigung. Überraschte Gesichter, traurige Gesichter, Umarmungen. Es ist, als wenn der Bruder der Familie verkündet, dass er nach Schweden auswandert. C. und H. und ich werden uns privat treffen. Das müssen wir hinkriegen.

Donnerstag sagt B. die Probe ab, weil er krank ist. Nicht so schlimm, zur Not improvisieren wir an meinem Geburtstag, aber im Grunde stehen die Songs ja. Ich könnte stattdessen ins Ballett, aber ich genieße den freien Abend.

Die Spaghetti Carbonara, die ich zum Mittag gekocht habe, ging ziemlich daneben. Das muss ich mal üben. Noch was zum Üben. Man übt nie aus. Das ganze Leben ist eine ständige Übung.

Freitag nach dem Home-Office schließe ich die Woche mit „Musik für junge Leute ab“, das Ritual gefällt mir richtig gut. Es erdet mich, „erden“ im Sinne vom Knüpfen einer Verbindung mit meiner Vergangenheit.

Nach der Arbeit gehe ich in eine Probestunde Contemporary. Die Ballettschule, an der ich Ballett mache, bietet Contemporary für jugendliche und erwachsene Anfänger an, genau das, was ich gerade brauche, einfach nur ganz normalen, einfachen, strukturierten Unterricht in normalem Tempo.

Ich werde mich dort anmelden. Wir waren allerdings nur zu zweit, ich und eine junge Frau, die vorher rhythmische Sportgymnastik gemacht hat.

Ich brauche aber dringend mehr freie Abende. Das Yoga muss weichen bzw. kann ich das zuhause weitermachen.

Der Akzeichenkurs ist mangels Anmeldungen abgesagt. Ich fasse es nicht. Auf welchem Planeten bin ich, auf dem ein Aktzeichenkurs mangels Anmeldungen und nicht wegen Überfüllung abgesagt wird. Ich wollte doch mehr zeichnen.


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