Wochenendrückblick

Freitag nach der Arbeit treffe ich die Tanzlehrerin, die bei uns manchmal Vertretung macht, an der Haltestelle. Endlich mal ein längeres Gespräch mit ihr, sie ist nämlich ziemlich interessant und lustig. Sie kommt aus der Nähe von Manchester, was mich sehr erstaunt, wie sie erst seit fünf Jahren in Deutschland ist, aber akzentfrei Deutsch spricht. Die paar Anglizismen fallen im Tanzunterricht nicht auf, weil das dort normal ist. Wir sprechen über die Tanzszene, die Vorführungen, über Modern und Contemporary.

Ein fast freies Wochenende. Ich bin endlich dazu gekommen, intensivere Körperpflege zu betreiben, sauber zu machen, Wäsche zu waschen und einzukaufen, was den ganzen Vormittag und Mittag gebraucht hat.

Am Nachmittag hatten wir unsere erste Probe. Das ist das erste Mal, dass ich als Sänger und Gitarrist mit anderen zusammen spiele. Das erste Mal Frontmann.

Das ganze ist ein Geburtstagsprojekt. Ich schenke mir zum 60. Geburtstag – und meine Freunde schenken es mir, dass wir zu dritt Depeche Mode-Cover in meinem Wohnzimmer spielen.

Ich will schon seit 1986 eine Depeche Mode-Cover-Band, aber die Umsetzung war natürlich utopisch, mehr als eine Garagenband ist bei mir nicht drin und und will ich auch gar nicht. Ich spiele mit Freunden fünf oder sechs Songs, das war’s.

Allerdings haben wir Blut geleckt, es könnte also sein, dass wir das Projekt weiterführen und zu dritt zusammenbleiben, was natürlich cool wäre, weil wir die gleichen Vorstellungen haben.

Jetzt aber erst einmal „Garage Mode“. Meine Stimme ist nicht laut genug in der Tiefenlage, ich brauche auf jeden Fall ein Mikro. Es klingt viel zu angestrengt. Ich habe eine verhältnismäßig hohe Stimme, wenn ich wirklich schreien würde, klänge ich wie Bon Scott, aber nicht wie Dave Gahan. Eigentlich sind die Songs zu tief und zum Transponieren aber ich jetzt keine Lust mehr.

Es war auf jeden Fall toll und hat Spaß gemacht. Ich bin in meinem Element. Nächstes Mal fahren wir in den Proberaum, da können wir uns richtig austoben.

Natürlich sitze ich die halbe Nacht am Rechner und fummel mir die Demo-Aufnahme schön, hole raus, was ich hinbekomme.

Abends bricht beim Einsortieren der Wäsche ein Regal durch, weil ich viel zu viel draufgestapelt habe.

Am nächsten Tag ziehe ich mein Superman-Kostüm an, hole Schraubendreher und Schrauben aus dem Keller, stecke die Schrauben in die Löcher für die Bretthalter-Nupsis und lege das Brett wieder da hin, wo es hin gehört. Dann stapel ich meine Klamotten wie bisher drauf. Eine einzelne Socke schmeiße ich weg. Ich muss mal aussortieren, dringend.

Sonntag teste ich die neue Heißluftfritteuse mit Kartoffeln, Gemüse und Schafskäse, die Tochter verzichtet auf den Schafskäse und macht vegane „Chicken“ Nuggets. Für kleine Gerichte und eine Person ist das Gerät ganz nett, aber ich kam schnell an die Grenzen, und Stapeln ist auch nicht so toll, weil es dann nicht so knusprig wird. Trotzdem bin ich mit dem Gerät zufrieden.

Die ältere Tochter hat einen Spiegel über Kleinanzeigen gekauft, den ich mit ihr in der Stadt abhole. Ich wollte bei der Polizei parken, weil ich mich als Einsatzfahrzeug verstand, aber das hätte nur unnötige Diskussionen gegeben.

Nachmittags lege ich mich hin und schlafe ein. Geweckt werde ich von der Tochter, die mir einen Chicken Nugget bringt.

Ich hatte mir vorgenommen zu lesen, aber dafür fehlt mir die Muße. Ich denke immer, dass doch gerade die kurzen, kalten Tage geeignet sind, um es sich mit Decke und Vanille-Erbeer-Rooibos-Tee und einem Buch gemütlich zu machen, aber ich bin wohl Sommerleser. Ich lese gerne in der Sonne, wenn es warm ist.

Zwischendrin schreibe ich ein bisschen meine Geschichte weiter bzw. betreibe Textarbeit, weil ich ständig alles überarbeiten muss und will.

Die Zeitumstellung schenkt mir eine Stunde, mit der ich nichts anfangen kann, weil ich endlich ins Bett will, dann aber doch nicht einschlafen kann. Ich nehme das Schlafmittel, das ich von der Neurologin bekommen habe. Für solche Fälle ist das super.

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