Ich weiß nie so genau, wie privat oder öffentlich das Blog hier ist. Eigentlich ist es wie ein Notizbuch, das ich aufgeklappt im kleinen Vorgarten liegen lasse. Andere sitzen auch in ihrem Garten und machen dasselbe, Passanten kommen vorbei und fangen an, sich darüber zu unterhalten, was man geschrieben hat.
Klingt idyllisch, klingt persönlich, und das Bild möchte ich mir auch bewahren und pflegen.
Aber so ist es nicht. Es macht einen Unterschied, ob ich Fotos und Ausschnitte aus Magazinen in mein Notizbuch klebe. Es ist privat und persönlich. Im Internet sind Auschnitte nicht privat, denn wenn sie Verbreitung finden, werden sie Memes. Jeder Ausschnitt hat technisch das Potential, ein Meme zu werden. Praktisch kommt das kaum vor, aber im Bewusstsein ist es vorhanden. Aus dem Kontext gerissen zu werden. Dem Kontext meiner Person. Der Kommentarbereich in Blogs wird auch als öffentlich empfunden. Ist er technisch auch, aber inhaltlich darf jeder Blogbetreiber entscheiden, was er damit macht.

KI-Nutzung verschärft die Diskussion und fokussiert das Problem auf den Punkt der Frage nach der Privatheit. Gerade wenn ich besonders Privates, nämlich zum Beispiel meine Probleme in ein Texteingabefeld eines LLM prompte, dann redet die Öffentlichkeit sehr deutlich mit, mahnt an, dass es mein Denken und meine Persönlichkeit zum Schlechten verändert. Nicht meines speziell, sondern generell.
KI wurden gefüttert mit etwas, das nie seine Zustimmung gegeben hat, obwohl man die Zustimmung hätte einholen können. Theoretisch. Es fokussiert nicht nur, es verstärkt das Problem auch noch.
KI-Nutzung ist eine neue Form von Öffentlichkeit, die sich nicht so anfühlt, sondern wie eine einzelne Person, obwohl sie eine Menge ist. Sie wurde wie ein Pressesprecher oder Vermittler oder ein diplomatischer Vertreter programmiert.
KI-Ergebnisse werden extrem schnell überall dort eingesetzt, wo ich Zurückhaltung vermutet hätte. Buchcover, Bühnenbild, Werbeplanen, Einladungen. Es hat nicht mehr den Charme des Künstlerischen oder Experimentellen, es hat die Qualität des oberflächlich Perfekten, aber im Detail oft Schlechten. Man kann die Fehler zum Teil verbessern.
Ich finde die Ergebnisse generell ziemlich okay, manches überraschend gut, einiges im Detail fragwürdig und nicht befriedigend. Dass eine Maschine Schlechtes oder Falsches hervorbringt, was aber vordergründig ganz in Ordnung aussieht, so dass man ein Auge zudrücken kann, ist ungewöhnlich, weil es nicht als Glitch erkennbar ist, sondern als schwer erkennbarer Fehler.
Privat nutzen viele KI, und sie sind natürlich alle vernünftig, aber die anderen, also die Gesellschaft, die nicht. Belege dafür fehlen, man kennt nur die Extrembeispiele.
Ich hadere immer wieder mit diesem Blog, weil genau diese Frage für mich ungeklärt ist: Wie privat und wie öffentlich ist das hier und geht „privat“ in so einem Medium überhaupt? Oder gehöre ich schon zur unvernünftigen Gesellschaft? Das aus dem Kontext gerissene Beispielhafte? Bin ich bloß Figur und Projektionsfläche?
Damit ich Freude daran habe, muss ich es einigermaßen überschaubar privat halten, zumindest aber höchstpersönlich. Daran messe ich den Wert für mich.
Ich bin technisch öffentlich, aber sonst doch eigentlich ziemlich privat. Ein merkwürdiger Spagat ist das.
Es geht gar nicht um das Internet, oder KI oder Blogs. Wenn jemand Tagebuch schreibt und gleichzeitig ein bekannter Autor ist, dann könnte es sein, dass nach dem Tod die Tagebücher veröffentlicht werden. Hier sind es Tagebücher, die man zu Lebzeiten einer Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.
Mir ist schon klar, dass man nicht immer im Sinne des Autor oder Autorin handelt, aber ab und zu darüber nachdenken, ist vielleicht ganz gut. Auch, um sich dieses bisschen Persönliche zu bewahren, das nur im Kontext wirklich bedeutsam ist.
Aber ganz ehrlich: Wenn man mir als Prince-Fan Zugang zu seinen Archiven von Songs geben würde, die er nicht veröffentlichen wollte, könnte ich für nichts garantieren.
Bisschen viel auf einmal, aber genau das ist der Punkt: Ein Blog sieht so einfach aus, selbst, wenn es eine simple Maschine ist. Aber es kommen viele Themen ungewollt zusammen, wenn ich genau hinsehe. Deshalb halte ich viel mehr hier raus, obwohl es wesentliche Teile meines Lebens und meiner Person sind. Ich filtere schon extrem viel vor.
Das ist nicht nur ein Spagat, sondern ein Oktopus, der sich die Arme verknotet, was nicht an mir liegt, sondern am Medium.