Solstice Birthday

Ich war nie froh, am 21. Geburts­tag zu haben. Was für ein blö­der Zeit­punkt, drei Tage vor Weih­nach­ten („Jetzt habe ich end­lich alle Weih­nachts­ge­schen­ke, und du hast auch noch Geburts­tag!“). Geht mir ja genau so, eine Freun­din hat am 23. Ich ken­ne wel­che, die haben am 31. Über­haupt ken­ne ich eine gan­ze Men­ge Schüt­zen. Wir soll­ten einen Schüt­zen­ver­ein auf­ma­chen. Haha­ha. Unse­re Eltern sind bloß ihren Früh­lings­ge­füh­len nach­ge­gan­gen.

Die längs­te Nacht des Jah­res, fin­de ich nicht so schlimm. Blöd ist es, dass es auch auch tags­über meist grau ist und reg­net. Aber, hey, heu­te war es nur grau. Lei­der auch warm. So, wie jeder zukünf­ti­ge Tag zu warm sein wird.

An mei­nem Geburts­tag gehe ich mit der Fami­lie zum Inder, weil Inder für die gan­ze Fami­lie passt. Vor zwei Jah­ren habe ich sie zu einem ori­gi­na­len Chi­ne­sen geführt, das war schräg.

Danach waren wir auf dem Weih­nachts­markt. Ich habe ein Metall­schäl­chen gesucht, wo ich Koh­le und Weih­rauch drauf ver­bren­nen kann. Ich habe vor x Jah­ren mal Weih­rauch gekauft, ich habe auch eine Mischung aus dem Köl­ner Dom. Und Myr­rhe. Amber­harz habe ich auch noch (nicht Ambra!). Gab es aber nicht, das Schäl­chen. Völ­lig out. Ich habe es in einem Geschäft gefun­den.

Abends haben wir When Har­ry met Sal­ly geguckt. Den habe ich spät schät­zen gelernt, als ich ihn im Ori­gi­nal sah und Bil­ly Chris­tals Auto­bio­gra­fie gele­sen habe. Eine tech­nisch bril­li­an­te Komö­die, die die Lücke zu Annie Hall schließt. Was kam danach? Meet the Fockers? Man braucht eini­ges dafür: gutes Dreh­buch, gute Schau­spie­ler, Timing. Screw­ball come­dy, „Bezie­hungs­ko­mö­die“ auf deutsch. Deutsch ist zu lahm dafür. Mie­ses Timing. „Wit­ty“ kann man auch nicht mit einem Wort über­set­zen. Wort­reich, schnell und prä­zi­se poin­tiert geht nicht gut im Deut­schen. Deeptalk kön­nen wir. Ist halt extrem unse­xy.

It has secon­da­ry cha­rac­te­ristics simi­lar to film noir, distin­gu­is­hed by a fema­le cha­rac­ter who domi­na­tes the rela­ti­onship with the male cen­tral cha­rac­ter, who­se mas­cu­li­ni­ty is chal­len­ged, and the two enga­ge in a humo­rous batt­le of the sexes

https://en.wikipedia.org/wiki/Screwball_comedy

Am Ende noch trä­nen­rüh­rend roman­tisch zu sein, das ist die Kunst. Meis­ter­haft gelöst von Rob Rei­ner.

Ganz wich­ti­ge Vor­aus­set­zung: die arbei­ten nix und haben hohen Lebens­stan­dard. Fami­lie grün­den ist extrem unro­man­tisch. Aber genau das for­mu­liert When Har­ry met Sal­ly aus, und das fin­de ich gran­di­os. Tut weh, tut gut. „Und wo kommt die Koh­le in dem Film her?“ „Ruhe jetzt! Die gehen schließ­lich auch nicht auf’s Klo im Film!“

Der Abend schließt mit einem Bas­sis­ten, den ich seit mei­ner Kind­heit ver­göt­te­re: Stan­ley Clar­ke.

Im Fami­li­en­chat das The­ma „Kuchen­ba­cken“, „Geburt“ und „Geburts­tag“. Mein Stief­va­ter sagt, ich sei bes­ser gelun­gen als der Kuchen. Schön fand ich das. „Bra­ten in der Röh­re“ fiel mir ein.

Jeder hat so sei­ne eige­ne Lebens­auf­ga­be, mei­nes ist es, das Rät­sel mei­nes Lebens zu lösen. War­um zum F*** bin ich und war­um ist nicht Nichts?!

Fei­er­abend und ab mor­gen wird’s wie­der hel­ler.



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