„Was ihrem Nervensystem guttut, ist ein anderer Mensch.“

Das Gehirn ver­braucht 20 % des Stoff­wech­sel­bud­gets. Es ist das kos­ten­in­ten­sivs­te Organ des Kör­pers. Neu­ro­nen ver­bin­den sich über Aus­läu­fer mit­ein­an­der, ver­stär­ken ihre Ver­bin­dun­gen oder legen sie still, damit Aus­tausch effek­tiv statt­fin­den kann. Immer gemes­sen am eige­nen Haus­halt.

Sich das Gan­ze als ein Buch­füh­rungs­sys­tem mit indi­vi­du­el­lem Haus­halt vor­zu­stel­len, ist eine pas­sen­de Ana­lo­gie.

Soweit so gut.

Über Kör­per­be­we­gung und Sin­nes­or­ga­ne sind wir mit unse­rer Umwelt im Aus­tausch, so wie der Wurm mit Augen im Meer (die Natur ist selbst in die­sen ein­fa­chen For­men sehr krea­tiv).

Wir zap­peln aber nicht allei­ne durch die Welt, da sind noch ande­re Art­ge­nos­sen, und das ist auch ganz gut für uns, aller­dings mit Ein­schrän­kun­gen und bedingt.

Ich habe sehr lan­ge gebraucht, um mir die Fra­ge zu erlau­ben: Was bringt mir das? Was habe ich davon? Ich habe irgend­wann selbst Kos­ten-Nut­zen-Rech­nun­gen auf­ge­stellt, und das war sehr erhel­lend für mich und tat mit letz­ten Endes gut.

„Was ihrem Ner­ven­sys­tem gut­tut, ist ein ande­rer Mensch. Lei­der ist er auch das, was ihm am meis­ten scha­den kann.“

Lisa Feld­man Bar­rett, Sie­ben­ein­halb Lek­tio­nen über das Gehirn

Die nächs­te Lek­ti­on im Buch: Unser Gehirn arbei­tet mit ande­ren Gehir­nen zusam­men.

Kurz und knapp: Die Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ver­bin­dung mit ande­ren Men­schen kann uns gut tun und uns krank machen. Das belegt jetzt auch die Hirn­for­schung, ist nicht nur eine Meta­pher, son­dern eine mess­ba­re Tat­sa­che.

„War­um aber haben die Wor­te, die auf Ihr Ohr tref­fen, der­art weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen auf Sie? Weil vie­le Gehirn­area­le, die zur Sprach­ver­ar­bei­tung nötig sind, auch das Innen­le­ben Ihres Kör­pers steu­ern – wich­ti­ge Orga­ne und funk­tio­na­le Sys­te­me, die Ihre Kör­per­buch­füh­rung auf­recht­erhal­ten. Die Gehirn­re­gio­nen, die zu dem gehö­ren, was Neu­ro­wis­sen­schaft­ler das «Sprach-Netz­werk» (lan­guage net­work) nen­nen, regeln Ihre Herz­fre­quenz hin­auf und hin­un­ter.

Rein vom Stoff­wech­sel her betrach­tet, ist es für das Gehirn kost­spie­lig, wenn es mit Din­gen zu tun hat, die es nur schlecht vor­her­sa­gen kann. Kein Wun­der also, dass sich Men­schen in Echo­kam­mern ein­schlie­ßen und nur sol­che Nach­rich­ten und Mei­nun­gen zur Kennt­nis neh­men, die bestä­ti­gen, was sie ohne­hin schon glau­ben – so wird der Stoff­wech­sel weni­ger belas­tet und die unan­ge­neh­me Erfah­rung, etwas Neu­es ler­nen zu müs­sen, ver­mie­den. Unglück­li­cher­wei­se gehen damit die Aus­sich­ten gegen null, etwas zu erfah­ren, was ihre Mei­nung ändern könn­te.“

„Wenn wir mit jeman­dem zusam­men sind, der uns am Her­zen liegt, syn­chro­ni­sie­ren sich sogar die Atem­fre­quenz und der Herz­schlag, ob wir nun mun­ter plau­dern oder hit­zig strei­ten. Die­se Art kör­per­li­cher Ver­bin­dung ist auch bei Kin­dern und ihren Bezugs­per­so­nen zu beob­ach­ten, bei The­ra­peu­ten und ihren Kli­en­ten, bei den Teil­neh­mern eines Yoga­kur­ses und bei den Mit­glie­dern eines Chors. Häu­fig spie­geln wir Bewe­gun­gen in einer Art Tanz, des­sen wir uns nicht bewusst sind und zu dem unse­re Gehir­ne die Cho­reo­gra­fie lie­fern. Einer führt, der ande­re folgt, und manch­mal wer­den die­se Rol­len auch getauscht. Mögen wir unser Gegen­über aber nicht oder miss­trau­en ihm, dann ver­hält sich unser Gehirn wie ein Tanz­part­ner, der dem ande­ren auf die Zehen tritt.

Letzt­lich tra­gen Ange­hö­ri­ge, Freun­de, Nach­barn und sogar Frem­de zu Ihrer Gehirn­struk­tur und ‑funk­ti­on bei. Sie hel­fen Ihrem Gehirn dabei, Ihren Kör­per fit zu hal­ten.“

Ich bin nicht auf Dau­er mit jeman­dem zusam­men, um Rat­schlä­ge, Tipps oder Kor­rek­tu­ren zu bekom­men, son­dern um Ver­ständ­nis zu erle­ben. Den Tanz mit­ein­an­der.

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