Solorollenspiel ist komplexer als ich dachte, aber gerade darin liegt der Reiz. Ohne Claude hätte ich das Projekt aufgegeben, dank Claude kann ich ordnen und Fragen stellen. Nur so kann ich das nebenbei in den kleinen Lücken meiner Freizeit einbauen.
Das Regelwerk ist Ironsworn. Die Welt und ihre Bedingungen baue ich selbst.
Ich werde aufschreiben, was ich mache und gelernt habe, was nicht so einfach ist, ich versuche, mich kurz zu fassen.
Im Kern ist es eine Sammlung von Fragmenten, die aber sinnvoll zusammenhängen müssen. Diese Fragmente schreibe ich auf eisenundsalz.de.
Die Erzählung
Nach mehreren Anläufen habe ich mit einer Geschichte angefangen. Nein, stimmt nicht, ich habe mit einer Figur angefangen, die ich habe erzählen lassen. Ich habe sie frei erzählen und erfinden lassen, dabei bekam sie natürlich meine Stimme, ein moderner Mensch des 20. Jahrhunderts landet nichtsahnend in einer nordischen Welt um 1500 (1).
Meine Kenntnisse über diese Welt waren so gut wie nicht vorhanden, also las ich Bücher über Figuren, die sich in einer solchen Welt bewegen und auch wie sie sich bewegen, welche Beziehungen sie haben, ihre Motive und Entscheidungen.
- Die Tochter der Wälder – Juliet Marillier
- Wo drei Flüsse sich kreuzen – Hannah Kent
- Die Gabe der Könige – Robin Hobb
- Das letzte Königreich – Bernard Cornwell (lese ich gerade)
Das brachte mich zu Themen, die nur auf dem ersten Blick Spezialthemen sind, aber nur verschiedene Perspektiven sind. Körper, Heilung, Glaube und Magie gehören zusammen, viel mehr als ich ahnte. Das alleine könnte man zu seinem Lebenswerk machen. Ich habe mir Bücher darüber besorgt, für deren Lektüre ich Monate bräuchte.
Es gibt also drei parallel laufende Prozesse:
- meine Erzählung
- meine Recherche bzw. Fortbildung
- das Regelwerk
Das muss verschränkt werden. Vielleicht ist das sogar der dreiteilige Kern eines jeden Spiels. Das Interessante für mich am Solorollenspiel ist, dass die Erzählung mehr Gewicht bekommt, und je mehr die Erzählung Gewicht bekommt, desto realer wird das Erlebnis. Ich bewege mich also nicht mehr nur in Narrativen, Klischees und Mechaniken, sondern in wirklichkeitsnahen Erzählungen.
Meine Erzählung
Die schnelle Verarbeitung von Informationen bringt es mit sich, in verkürzten Begriffen zu kommunizieren. Dadurch kann ich schneller kommunizieren und reagieren. Ein Philosoph auf dem Bau, der die Begriffe hinterfragt, wird es schwer haben.
Das Solorollenspiel hat für mich den Reiz, näher an einem Märchen zu sein und seinen Vieldeutigkeiten, als den modernen Vorstellungen von fixen Narrativen, was ich für eine armselige Verkürzung von Welt und Erzählung halte.
Das Solorollenspiel hat auch seinen Reiz, weil man sich in eine Erzählung schreibt, so wie man sich beim Lesen in Erzählungen hineinliest. Damit verlasse ich die distanzierte Position, aus der ich Welt und Leben betrachte und beschreibe. Ich bin nicht mehr Beschreiber einer, sondern Schreiber einer Welt. In der Schule lernt man das anders, in der Schule lernt man Distanz, das Leben ist aber ein Sich-einlassen. Kurzum: Solorollenspiel ist lebendiges Schreiben für mich.
Es gibt in meinem Solorollenspiel eine Erzählung und eine Plotbeschreibung, das Logbuch meiner Kampagne, in der ich die Würfe und Erzählung skizziere bzw. protokolliere.
Dabei stelle ich folgende Fragen:
- Was tut die Figur – und weshalb?
- Welcher Zug oder welches Orakel entscheidet es?
- Was ist das Ergebnis, und was folgt daraus?
- Was kommt als Wendung von außen?
Die Wendung von außen ist wichtig und macht das Ganze zum Spiel, denn man ist ja geneigt, nur das Beste für seine Figur zu wollen, und man braucht etwas von außen, das konfrontiert.
Meine Recherche
Es gibt auch hier zwei Felder:
- Mit welcher Welt habe ich es zu tun?
- Welche Welt baue ich da in meiner Erzählung?
Das sind zwei Themen, die ich parallel dokumentiere(n lasse). Das erste ist historische Information (grobe Richtwerte, die ich noch gegen meine Bücher prüfe). Das zweite lasse ich von Claude in einen Kanon schreiben.
Der Kanon ist meine wichtigste Stütze, zum Glück muss ich den nicht selbst schreiben, sonst käme ich nicht zum Spielen. Es ist das, was ein Spielleiter macht oder machen müsste.
Diese zwei Fragen finde ich bei Fantasy oder generell bei Literatur interessant und wichtig, nämlich, dass zwei Welten verbunden werden: die Erzählung und die Realität.
Die einfache und simple Frage, wie weit man zu Fuß durch mooriges Gebiet kommt, beantwortet sich hier. Gibt es einen Weg? Habe ich Schuhe an? Bin ich satt? Bin ich müde? Bin ich verletzt? Regnet es oder ist der Boden trocken?
Ich kann mich auf reine Plotbeschreibung beschränken, aber richtig interessant wird es für mich, wenn die Welt physisch und sinnlich wird.
Ich brauche also Informationen über die nordische Welt um 1500 zu verschiedenen Themen.
- Nahrung
- Körperpflege und Hygiene
- Gesundheit, Heilung und Aberglaube
- Soziales: Familie, Funktionen, Beziehungen, Sexualität
- Reisen
- Kleidung und Wohnen
- Arbeit, Geld und Recht
- Schiff und See
- Wetter, Licht, Jahreslauf und Tiere
- Gewalt, Tod und Bestattung
- Glaube, Wissen und Sprache
Das ist ein ziemlicher Brocken, aber keiner, den ich gesondert und isoliert angehe, sondern parallel zum Regelwerk als Nachschlagewerk habe.
Ich lerne unglaublich viel über Geschichte, das finde ich sehr spannend.
Regelwerk
Das Regelwerk ist geschrieben und formuliert, das habe ich mir nur in Form bringen lassen, handlich, so wie ich es brauche.
Die technische Umsetzung
Ich mache das in WordPress und Google Docs. Für WordPress habe ich ein umfangreiches Plugin von Claude und Claude hat auch Zugriff auf Google Docs. Ich schreibe in Google Docs und kopiere es in WordPress. Ich habe immer wieder Logik-, Zeit- und Perspektivfehler in meiner Erzählung.
Es könnte mir egal sein oder mir die Arbeit selbst machen, aber das ist nicht in meinem Interesse, ich schreibe kein Buch, ich spiele Solo-Rollenspiel. Das muss man ganz klar unterscheiden. Das ist mehr als eine ausgedachte Abendgeschichte und etwas anderes als eine Kurzgeschichte oder eine Sammlung von Kurzgeschichten. Es sind Fragmente, die aber sinnvoll zusammenhängen müssen.
Neben den Fragmenten halte ich auf WordPress die anderen Dinge fest, das Ganze organisiert in Kampagnen.
Dort liegen auch Logbuch, Character-Sheet und Assets.
Das ist also quasi Backend und Frontend.
1: Ich schreibe nicht historisch korrekt, das sind nur Anhaltspunkte. Es handelt sich immer noch um reine Fantasie. 1500 ist es nur wegen der Kartoffeln. Das kann genau so gut um 800 sein.

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