Elektronische Musik

Elektronische Musik hat mich zum Nachdenken gebracht.

Elektronische Musik kümmert sich um Sound und Klänge. Es bringt Pop und Dancefloor-Tauglichkeit hinzu, es schwingt immer so ein Rechtfertigungszwang mit, sich gegen den Vorwurf zu rechtfertigen, dass das ja gar keine richtige Musik oder kein richtiges Musizieren sei.

Wo in der Linie von Tangerine Dream zu Mensch-Maschine, bis House, Trance und allem Elektronischen, das in den 90ern wie Pilze aus dem Boden schoss bis hin zu Morr Music und den (mittlerweile) Retro-Maschinen-Liebhabern, wo hätte ich ein Album rauspicken können? Gar nicht, es ist die Art, Musik zu machen, die eine so ganz andere ist als ein Instrument zu spielen, das läuft als Liebhaberei und ständiges Experiment nebenher.

Ich mag elektronische Musik gerade wegen seiner Loops, seiner Klänge. Natürlich ist das Musik, nur ein anderen Fokus als wenn man ein Instrument in die Hand nimmt.

Vieles von dem, was man Pop nennt, ist bloß ein Lehnwort für Elektronische Musik, weil dort Musizieren und Produktion ein gemeinsamer Prozess ist. Billie Eilish und ihr Bruder Finneas sind ein Beispiel dafür.

Was ist das, was Nick Littlemore macht? Sein ganzes Schaffen ist ein Mix, den man nicht trennen kann. Pop irgendwie wohl, weil die Sprache das gar nicht fassen kann, außer durch verkrampfte Begriffs-Kombinationen.

Bereits Prince konnte man in den 80ern nicht sauber trennen, weil er von Anfang an immer produziert und musiziert hat. Was ist sein Anna Stesia?

Was ist Kid A von Radiohead?

Elektronische Musik lässt sich mit musikalischen Genre-Begriffen nicht erfassen, weil sie durch Experimente, Loops und Sounds einen ganz anderen Fokus hat, der sich der Sprache entzieht.

Das gibt es auch in der Instrumentalmusik und nannte man Avantgarde. Das ist aber nicht mehr so en vogue.

Und bezüglich Avantgarde: Ausgerechnet das Projekt der Avantgarde, Velvet Underground, entstand in der New Yorker Pop-Art Szene. Lou Reed verfolgte eine ganz klare Rock-Idee. Die Geburtsstunde des Alternative Rock, der einfachen Alltag zum Rock-Thema machte.

Am Ende ist alles ein leidlicher Versuch, Musik sprachlich zu beschreiben.

Es steckt ja immer auch unsere Vorstellung von künstlerischem Schaffen als Ausdruck einer Idee oder eines Konzepts dahinter. Das ist aber nicht der Grund, weshalb man Musik macht, nur eine Möglichkeit.

Als wäre Musik nur das Verpackungsmaterial für einen Inhalt. Als sei Musik der Ausdruck von etwas.

Jemand sagte mal: Zitronen drückt man aus. Den Satz fand ich gut.

Siehe auch: Pop lebt

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