Erzähl mal
Der Begriff „Narrative“ wurde in den letzten fünfzehn Jahren populär und sollte wiedergeben, dass Menschen eigene Ansichten haben und etwas so darstellen, wie sie es sehen, dabei aber Sichtweisen und Darstellungen gerne übernehmen. Es gibt keine im Raum schwebenden Konstrukte, aber Geschichten, Motive, Klischees, Charaktere, Figuren, Rollen, Funktionen undsoweiter, was Erzählung halt so ausmacht. Es scheint, als hätten die Menschen durch das Bloggen das Erzählen wiederentdeckt, betrachten ihr Leben als Erzählung und große (Selbst)-Darstellung.
Vorher hätte man vielleicht von „Ideologie“, „Weltanschauung“, „Perspektive“ oder „Interpretation“ gesprochen. Immer mit einem gewissen Wahrheitsanspruch. „Narrative“ heben hervor, dass es sich um Darstellungen und Konstruktionen handelt. Irgendwo zwischen selbstoptimierendem Performer und Pipi Langstrumpf läuft man durch die Welt.
Und beim Bloggen merkt man: Mein Gott, ich bin ja gar nichts Besonderes, mein Leben ist total langweilig und unter Corona hat man verstärkt gemerkt, wie langweilig das Leben sein kann. Ein Realitätsschock.
Und nu? Schreibe ich einfach weiter und treffe mich in meiner imaginierten WG zum Kaffee und lasse die verschiedenen Stimmen zu Wort kommen. Im Alter kann das Innenleben für einen selbst ganz schön unterhaltsam sein.
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