Martin

Verstehen wollen und Ego-Fallen

Do blogs, like this one I’m wri­ting in now, need to be so lonely? Not always, but some­ti­mes, I feel like I’m shou­ting into the void.

I’m pic­tu­ring some­thing rela­tively simp­le. Some­thing like a group blog, or a blog co-op. A group of inter­net fri­ends pos­ting tog­e­ther, wit­hout too much over­sight or coor­di­na­ti­on bet­ween them. When some­bo­dy has an idea, they post. Others can respond to tho­se posts in new posts. Or not. And tog­e­ther, a group of peo­p­le chip away at a blog tog­e­ther. Per­so­nal­ly, I’d love to be in a group like that.

Do blogs need to be so lonely?

Was mir wirk­lich gut gefal­len hat, war Cowbird.com. Das waren Geschich­ten neben Geschich­ten. Man hat erzählt, aus sei­nem Leben erzählt.

Wie man Geschich­ten und Erzäh­lun­gen ver­netzt, ist eine tech­ni­sche Fra­ge, aber Men­schen nut­zen Tech­nik nicht wie hirn­lo­se Robo­ter. Sie haben ein Motiv, eine Absicht, Gefüh­le. Ihr Ver­hal­ten ist ange­passt, aber sie wol­len, dass nicht nur ihre Geschich­ten gehört wer­den, son­dern ihre Absich­ten und Über­zeu­gun­gen Ver­brei­tung fin­den. Sie poli­ti­sie­ren und füh­ren ihre per­sön­li­chen Absich­ten und Situa­tio­nen auf eine abs­trak­te Ebe­ne.

Kann man das tech­nisch ver­hin­dern? Kann man ver­hin­dern, dass Men­schen ande­re vor­füh­ren? Kann man ermög­li­chen, dass deren mas­kier­te Wut unge­teilt bleibt und ver­hallt?

I feel like I’m shou­ting into the void.

Ja, was shou­tet man denn da? Erzählt man bloß, oder hat man noch ande­re Absich­ten? Ist das eige­ne Schrei­ben viel­leicht sogar Socken­pup­pe oder Pun­ching-Ball? Hält man sich für einen The­ra­peu­ten, der kon­fron­ta­ti­ve The­ra­pie betreibt und soll­te einen sol­chen viel­leicht selbst mal auf­su­chen?

Es gibt sehr vie­le Tex­te zum Sozi­al­ver­hal­ten und das Bedürf­nis, sich zu begeg­nen, aber vie­le Fra­gen blei­ben unbe­ant­wor­tet:

War­um sind wir hier? Was ist die Pra­xis, die uns ver­bin­det? Was erwar­ten wir von­ein­an­der? Sind wir hier um zu üben/arbeiten/performen? Um zu socia­li­zen? Um zu ler­nen? Um ein­fach gemein­sam prä­sent zu sein? Was brin­gen wir mit, was las­sen wir drau­ßen? Wel­che The­men, Hal­tun­gen, Ener­gien pas­sen hier rein? Was hat hier kei­nen Platz? Wie gehen wir mit Dif­fe­ren­zen um? Anspre­chen? Aus­hal­ten? Igno­rie­ren? Oder: Wer ent­schei­det was, wenn’s drauf ankommt? Wer gehört dazu? Offen für neue? Geschlos­sen? Braucht’s eine Ein­la­dung? Gibt’s Auf­nah­me­kri­te­ri­en? Dür­fen sich Regeln ändern? Wer initi­iert das?

Face­book, Lin­ke­din, Mast­o­don, You­Tube … alle ver­su­chen das tech­nisch zu lösen, aber nie­mand beant­wor­tet die Fra­gen ernst­haft.

Des­halb haben wir das Gefühl eines Ver­lus­tes des Sozia­len. Wir haben geglaubt, durch tech­ni­sche Lösun­gen kön­nen wir uns um die Ant­wor­ten drü­cken.

Blog­gen ist eine sozia­le Pra­xis ohne expli­zi­te Regeln. Wir drü­cken uns um die eigent­li­chen Fra­gen und Ant­wor­ten und bege­ben uns auf Meta­ebe­nen, um dem Eigent­li­chen aus dem Weg zu gehen:

Wir poli­ti­sie­ren (Du bist Nazi/Esoteriker, KI-Nut­zer, wha­te­ver), tech­ni­sie­ren (Track­backs, Pro­to­kol­le, Platt­for­men…), ratio­na­li­sie­ren (Geis­tes­wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­se, Theo­rie), sozia­li­sie­ren („Ich bin doch freund­lich!“).

Wir müs­sen uns mit dem Gedan­ken selbst aus­ein­an­der­set­zen: Was steht da? Was löst es in mir aus? Was den­ke ich dazu?

Vie­le Pro­ble­me erge­ben sich schon bei Fra­ge eins, weil vie­les auf Miss­ver­ständ­nis­sen beruht. Man­che wol­len ande­re aber auch falsch ver­ste­hen.

Für mich Pro­blem Num­mer 1: Miss­ver­ständ­nis­se

Und damit auch das Miss­ver­ste­hen-Wol­len, weil eine Absicht dahin­ter steht, die man nicht preis­gibt oder sich ein­ge­ste­hen will. Oder das absicht­li­che unver­ständ­li­che For­mu­lie­ren, um es dem ande­ren zu erschwe­ren und ihn am Ende doof daste­hen las­sen zu kön­nen.

Anders­rum: „Ver­ste­hen wol­len“ ist für mich Absicht 1. Die Ant­wort auf die Fra­ge: War­um sind wir hier, war­um machen wir das? Um ein­an­der zu ver­ste­hen.

Das ist für mich die Kern­fra­ge und ‑Ant­wort der Ver­bin­dung, nicht Track­backs oder Web­rin­ge. Es ist für mich nie eine tech­ni­sche Fra­ge. Sowas geht sogar auf Insta­gram oder sonst­wo.

Sich im Inter­net bewe­gen ist ein ganz schwie­ri­ger Spa­gat mit vie­len Ego-Fal­len: Wut als Treib­stoff, Per­for­mance (der Exper­te, der Kri­ti­ker, der Moral­apos­tel), Sta­tus. Was ist tole­rier­bar? Wo wird es unan­ge­nehm?

Unter­schied­li­che Sicht­wei­sen sind nicht das Pro­blem, Inter­es­sens­kon­flik­te sind das Pro­blem: Jemand will etwas von einem ande­ren, ohne zu Fra­gen, ohne sich abzu­stim­men, im Glau­ben, Argu­men­te als sol­che wür­den etwas recht­fer­ti­gen.

Debat­ten kön­nen nach allen Regeln der Ver­nunft eine Platt­form für men­schen­feind­li­che Sozio­pa­then sein. Demo­kra­tie als Ein­falls­tor. Aber ohne wie­der mit dem Fin­ger zu schnell auf ande­re zu zei­gen, zu poli­ti­sie­ren, soll­te man erst ein­mal in den Spie­gel sehen und dann mit viel Wil­len, ver­ste­hen zu wol­len, auf ande­re zuge­hen, mit Rück­sicht, Umsicht, Weit­sicht.

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