Verstehen wollen und Ego-Fallen
Do blogs, like this one I’m writing in now, need to be so lonely? Not always, but sometimes, I feel like I’m shouting into the void.
I’m picturing something relatively simple. Something like a group blog, or a blog co-op. A group of internet friends posting together, without too much oversight or coordination between them. When somebody has an idea, they post. Others can respond to those posts in new posts. Or not. And together, a group of people chip away at a blog together. Personally, I’d love to be in a group like that.
Do blogs need to be so lonely?
Was mir wirklich gut gefallen hat, war Cowbird.com. Das waren Geschichten neben Geschichten. Man hat erzählt, aus seinem Leben erzählt.
Wie man Geschichten und Erzählungen vernetzt, ist eine technische Frage, aber Menschen nutzen Technik nicht wie hirnlose Roboter. Sie haben ein Motiv, eine Absicht, Gefühle. Ihr Verhalten ist angepasst, aber sie wollen, dass nicht nur ihre Geschichten gehört werden, sondern ihre Absichten und Überzeugungen Verbreitung finden. Sie politisieren und führen ihre persönlichen Absichten und Situationen auf eine abstrakte Ebene.
Kann man das technisch verhindern? Kann man verhindern, dass Menschen andere vorführen? Kann man ermöglichen, dass deren maskierte Wut ungeteilt bleibt und verhallt?
I feel like I’m shouting into the void.
Ja, was shoutet man denn da? Erzählt man bloß, oder hat man noch andere Absichten? Ist das eigene Schreiben vielleicht sogar Sockenpuppe oder Punching-Ball? Hält man sich für einen Therapeuten, der konfrontative Therapie betreibt und sollte einen solchen vielleicht selbst mal aufsuchen?
Es gibt sehr viele Texte zum Sozialverhalten und das Bedürfnis, sich zu begegnen, aber viele Fragen bleiben unbeantwortet:
Warum sind wir hier? Was ist die Praxis, die uns verbindet? Was erwarten wir voneinander? Sind wir hier um zu üben/arbeiten/performen? Um zu socializen? Um zu lernen? Um einfach gemeinsam präsent zu sein? Was bringen wir mit, was lassen wir draußen? Welche Themen, Haltungen, Energien passen hier rein? Was hat hier keinen Platz? Wie gehen wir mit Differenzen um? Ansprechen? Aushalten? Ignorieren? Oder: Wer entscheidet was, wenn’s drauf ankommt? Wer gehört dazu? Offen für neue? Geschlossen? Braucht’s eine Einladung? Gibt’s Aufnahmekriterien? Dürfen sich Regeln ändern? Wer initiiert das?
Facebook, Linkedin, Mastodon, YouTube … alle versuchen das technisch zu lösen, aber niemand beantwortet die Fragen ernsthaft.
Deshalb haben wir das Gefühl eines Verlustes des Sozialen. Wir haben geglaubt, durch technische Lösungen können wir uns um die Antworten drücken.
Bloggen ist eine soziale Praxis ohne explizite Regeln. Wir drücken uns um die eigentlichen Fragen und Antworten und begeben uns auf Metaebenen, um dem Eigentlichen aus dem Weg zu gehen:
Wir politisieren (Du bist Nazi/Esoteriker, KI-Nutzer, whatever), technisieren (Trackbacks, Protokolle, Plattformen…), rationalisieren (Geisteswissenschaftliche Analyse, Theorie), sozialisieren („Ich bin doch freundlich!“).
Wir müssen uns mit dem Gedanken selbst auseinandersetzen: Was steht da? Was löst es in mir aus? Was denke ich dazu?
Viele Probleme ergeben sich schon bei Frage eins, weil vieles auf Missverständnissen beruht. Manche wollen andere aber auch falsch verstehen.
Für mich Problem Nummer 1: Missverständnisse
Und damit auch das Missverstehen-Wollen, weil eine Absicht dahinter steht, die man nicht preisgibt oder sich eingestehen will. Oder das absichtliche unverständliche Formulieren, um es dem anderen zu erschweren und ihn am Ende doof dastehen lassen zu können.
Andersrum: „Verstehen wollen“ ist für mich Absicht 1. Die Antwort auf die Frage: Warum sind wir hier, warum machen wir das? Um einander zu verstehen.
Das ist für mich die Kernfrage und ‑Antwort der Verbindung, nicht Trackbacks oder Webringe. Es ist für mich nie eine technische Frage. Sowas geht sogar auf Instagram oder sonstwo.
Sich im Internet bewegen ist ein ganz schwieriger Spagat mit vielen Ego-Fallen: Wut als Treibstoff, Performance (der Experte, der Kritiker, der Moralapostel), Status. Was ist tolerierbar? Wo wird es unangenehm?
Unterschiedliche Sichtweisen sind nicht das Problem, Interessenskonflikte sind das Problem: Jemand will etwas von einem anderen, ohne zu Fragen, ohne sich abzustimmen, im Glauben, Argumente als solche würden etwas rechtfertigen.
Debatten können nach allen Regeln der Vernunft eine Plattform für menschenfeindliche Soziopathen sein. Demokratie als Einfallstor. Aber ohne wieder mit dem Finger zu schnell auf andere zu zeigen, zu politisieren, sollte man erst einmal in den Spiegel sehen und dann mit viel Willen, verstehen zu wollen, auf andere zugehen, mit Rücksicht, Umsicht, Weitsicht.
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