Tattoo

Letz­ten Sams­tag war die Toch­ter zu Besuch und woll­te sich Ohr­lö­cher ste­chen las­sen (nicht schie­ßen), des­halb gin­gen wir in ein Tat­too-Stu­dio, wo ich einen Kata­log durch­blät­ter­te. Ich frag­te einen, der gera­de sein Mit­tag aß, was es kos­tet, sich einen Fisch auf den Ober­arm täto­wie­ren zu las­sen. Der Preis war O.K. Ich sah mir sei­nen Insta­gram-Account an, war sehr ange­tan und schick­te ihm ein paar Bil­der. In drei Wochen habe ich einen Ter­min.

Ich woll­te schon immer ein Tat­too haben, bereits mit 18. Einen klei­nen Eis­bär woll­te ich, den auf dem Grau­zo­ne-Cover. Oder das Love­sym­bol von Prin­ce. Oder den hal­ben Mensch von den Ein­stür­zen­den Neu­bau­ten. Ich fin­de die Bil­der heu­te noch alle cool und hät­te nichts dage­gen, sie zu tra­gen, aber das konn­te ich vor vier­zig Jah­ren ja nicht wis­sen. Hät­te ja auch sein kön­nen, dass sich Blixa Bar­geld oder Prin­ce oder Ste­phan Eicher sich doof ver­hal­ten und ich sie dann nicht von der Haut can­celn kann. Tat­säch­lich haben sich alle drei als ganz fei­ne Men­schen gehal­ten. Und das ers­te Grau­zo­ne-Album, die fol­gen­den Solo-Alben und Prin­ce und Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten kom­plett gehö­ren heu­te noch zu oft gehör­ter Musik, die ich sehr und hoch schät­ze. Kein Stäub­chen trübt den Blick.

Ich wer­de die­ses Jahr 59, mei­ne Haut ist sowie­so eine Mond­land­schaft, vor­bei ist die Jugend. Das Argu­ment „Wer weiß, ob mir das in vier­zig Jah­ren noch gefällt“ zählt nicht mehr, weil mir das in vier­zig Jah­ren sowas von egal sein wird, weil ich dann 99 bin.

Der Fisch hat sich auch bis heu­te nichts zu scha­den kom­men las­sen, weder bio­lo­gisch noch sym­bo­lisch, und hat­te viel­fäl­ti­ge, posi­ti­ve Asso­zia­tio­nen in mei­nem Leben.

I wish I was a fisher­man



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