Zu kalt, zu dunkel, zu nass

Ich fah­re schon lan­ge nicht mehr mit dem Rad zur Arbeit, weil es mit der Bahn so bequem ist. Ich weiß nicht, was mich ges­tern gerit­ten hat, aber ich habe mich auf das Rad gesetzt und bin im Frost zur Arbeit gefah­ren. Mei­ne Ohren sind mir abge­fro­ren und mein Gehirn war schock­ge­fros­tet.

Zum Geburts­tag habe ich eine Stirn­lam­pe zum Lau­fen gewünscht und bekom­men. Jetzt gibt es kei­ne Aus­re­de mehr, wenn es zu dun­kel ist. Dem Chef habe ich es dum­mer­wei­se erzählt, der ein begeis­ter­ter Mara­thon­läu­fer ist, nächs­tes Jahr muss ich wohl beim Fir­men­lauf um den Hocken­heim­ring mit­lau­fen, Stre­cken­län­ge 4,574 km, das ist mach­bar, den­ke ich. Ich has­se um die Wet­te lau­fen und die­ses „Haupt­sa­che mit­lau­fen“ habe ich nie ver­stan­den, ent­we­der bin ich in der obe­ren Hälf­te oder gar nicht. Ich sage ja, mein Platz ist knapp ober­halb des Durch­schnitts und da will ich hin und zwar sofort. Um die Wet­te lau­fen heißt für mich, mich mit Uner­reich­ba­ren zu mes­sen. Sport ist bei mir ein altes Kind­heits­trau­ma. Lau­fen ler­nen wird für mich hei­ßen, mich in Geduld zu üben.

Aber erst ein­mal muss ich wie­der mehr Rad fah­ren, ich hab ein ordent­li­ches Licht, eine sehr schö­ne auto­freie Stre­cke von akzep­ta­bler Län­ge und für die Ohren kann ich die tol­len ohr­um­schlie­ßen­den Kopf­hö­rer neh­men, die eine Funk­ti­on haben, die in die­sem Fall nütz­lich ist: Ambi­ent Sound. Das ist ein klei­nes Mikro­fon, neh­me ich an, das die Geräu­sche von außen ins Ohr über­trägt, so dass man die Umge­bungs­ge­räu­sche hört. Schal­tet man es aus, ist kom­plett Ruhe, schal­tet man es an, hört man glas­klar die Umge­bung, falls mal hin­ter mir plötz­lich ein Fuchs über­holt.

Jetzt gibt es fast kei­ne Aus­re­den mehr.



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