Warum liest man Blogs, habe ich mich heute gefragt. Genauer formuliert: Was sind die inneren, ungestellten, unbewussten Fragen an ein Blog. Ich denke, es sind genau zwei Fragen:
- Interessiert mich das?
- Mit wem habe ich es zu tun?
Das ist beim Buch anders. Ich weiß bei Büchern überhaupt nicht, mit wem ich es zu tun habe. Nicht mal bei Fachliteratur oder Sachbüchern mache ich mir ein genaueres Bild davon. Nicht unbedingt. Da reicht das Interesse.
Ich habe nur ein Sach- und Fachblog, und das ist Spektrum der Wissenschaft. Damit ist mein Bedarf fast voll gedeckt. Dazu ZEIT, Aeon – bezahlt und abonniert – und als Podcast Geschichten aus der Geschichte.
Persönliches lese ich in Blogs, aber da interessiert mich auch nur zweitrangig, mit wem ich es zu tun habe, oft stört das sogar, weil es mein Bild verschiebt. Ich lese Texte gerne unabhängig von der Person dahinter. Don't judge a book by its cover.
Ich frage mich oft, wie wichtig die Antwort auf die Frage ist, mit wem ich es zu tun habe, und ob nicht die Beantwortung dieser Frage viel zu sehr oder sogar sofort etwas hineinbringt, was ich möglichst verhindern will, nämlich die Identität nach Wettbewerb und sozialen Status ausrichten. Was interessiert mich, ob jemand Systemadministrator mit Linux auf dem Rechner ist, wenn er von seiner Katze erzählt. Naja, mit der Zeit interessiert es mich dann schon. Aber es bleibt eine Bloggerfigur, von der allerdings unterschiedlich viel von einem selbst stecken kann. Das ist Texten, das ist Schreiben. Bloggen, genauer, ist Schreiben und Veröffentlichen.
"Herr Doktor, ist es falsch, seine Kinder zu hassen?"
Foyer des Arts – Frauen in Frieden und Freiheit
"Ich bin Arzt und kein Geistlicher"
Was genau will man also wissen, wenn man fragt, mit wem man es zu tun hat? Und wieso ist das von Belang? Es ist doch bloß Text. Es ist keine echte Begegnung.
Die Frage nach der Authentizität ist ungeklärt und der Anspruch ungerechtfertigt. Es ist jedem selbst überlassen, wie er in seinem Blog damit umgeht.
Und du sagtest: "Los komm, erklär mir
Blumfeld – Superstarfighter
In den Liedern, die du spielst
Ist immer weniger von dir selber drin."
"Stimmt genau," sag ich
"Die sind so wie ich selber bin."
Ich habe einen extrem hohen Anspruch an Authentizität in meinem eigenen Blog. Zu dieser Authentizität gehört auch, dass ich mich fremder Formulierung bediene, kein Wort ist von mir erfunden, sondern in einem Dialog und in Erlebnissen entstanden. Das ist das Abenteuer von Sprache und Denken. Sprache ist nicht etwas, das isoliert von einer Person erfunden wird oder beliebig verformt. Ein Tisch ist ein Tisch (Bichsel).
Mit wem habe ich es zu tun? Das ist die Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle. Sprache und Denken sind nur zwei meiner Werkzeuge im Werkzeugkasten.
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