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05. March 2026 1 Min. Lesezeit

Verstärker

Das Internet als Verstärker finde ich eine treffende Metapher, was jeder versteht und bekräftigen würde. Also wäre klug, wenn man sich genau ansieht, was man verstärkt und wie sein Leben, seine Arbeit, sein Selbstbild und sein Verhalten dadurch beeinflusst sind. Nicht ob, sondern wie.

Aber das reicht noch nicht. Ein Verstärker macht nur laut, aber wir betonen Qualitäten, das Internet ist ein Equalizer, man benutzt Plugins zur Verstärkung der Dynamik. In ya face.

Ich habe die Tochter nach ihrer Meinung zum Social-Media-Verbot gefragt. Sie hatte tags zuvor mit ihrer Freundin darüber gesprochen, weil sie froh sind, zehn Jahre zuvor TikTok im Alter von dreizehn gehabt zu haben, nicht das TikTok jetzt im Alter von dreizehn. Harmlose Tanzvideos haben sie geteilt, Mädchen wurden sexualisiert. Heute sexualisieren sie sich selbst, was sie und ihre Freundinnen mit Sorge feststellen. Der Druck, hier zu performen, ist groß, sich selbst auf Äußeres und den (attraktiven) Körper zu reduzieren.

Und die Männer? Da müssten wir die jungen Männer fragen. Meine Vermutung ist, dass Equalizer hier dieselben Frequenzen verstärkt. Die Frauen, die anbieten und die Männer als Winner oder Looser.

Eigentlich wollte ich Angela Carters The Sadeian Woman (Sexualität ist Macht) aufhören zu lesen, weil ich das Gefühl hatte, dass es nicht mehr zeitgemäß ist. Ich vermute, es ist mir eher zu unbequem. Wenn ich etwas Grundsätzliches verstehen will ohne gleich ins innere Kloster zu gehen, dann ist es wahrscheinlich klug, das Buch zu lesen, und nicht nur einmal oder oberflächlich und ohne schnelles Urteil. Gerade weil es kein mahnendes, warnendes, pädagogisches Buch ist. Nothing is sacred.

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