Ich mache mir vor dem Schreiben von Blogeinträgen Gedanken darüber, was für eine Textform das werden soll. Themen inspirieren mich, weil ich eine Idee bekomme oder bereits habe. Meine Meinung versuche ich zu ergründen, weil eine Meinung nie ausschließlich sachlich ist, was sie oft vorgibt, sondern immer einen emotionalen Kern hat. Irgendetwas geht einem ganz persönlich gegen den Strich oder ist einem besonders wichtig und man hyperfokussiert sich darauf. Im Internet gibt es die Tendenz, extrem euphemistisch zu formulieren, weil ja ein falsches Wort nicht mehr zu kontrollierende Konsequenzen nach sich zieht. So eiere ich um Sachthemen herum und ziehe Sach- und Fachliteratur zu Rate.
Manchmal veröffentlicht jemand ein Buch zu einem Thema mit 800 schwer zu lesenden Seiten. Ich habe etliche solcher Bücher, die ich aber nie durchgelesen habe. Es ist auch gar nicht nötig, weil die eigenen Ideen ja über das hinausgehen. Die Bücher sind deshalb so ausführlich, weil sie lückenlos eine Sache darstellen müssen oder wollen. Ich würde nicht ernsthaft auf die Idee kommen, Being No One von Thomas Metzinger ernsthaft durchzulesen. Das ist auch nicht dafür gedacht. Nicht für mich. Für mich sind kurze Vorträge von einer Stunde gedacht. Als Lesung, als aufgezeichnete Lesung, als Tonmitschnitt oder Video.
Ein Lesen nach Stichwortsuche haben wir bereits in den 90ern trainiert. Das ist der Skill für's Studium. Und dann präzise und konzis den Gedanken darlegen. So gehen Essays.
Da ich weder dafür bezahlt werde, noch meinen Master mache (um später gut bezahlt zu werden), mache ich das hier nur zum Spaß, aber möchte doch einigermaßen sachlich richtig etwas darstellen.
Selbst tagebuchartige Rückbetrachtungen meines Alltags versuche ich einigermaßen gerecht darzustellen, nur ab und an zu verzerre ich satirisch, und nur in seltenen Fällen wird es eine richtig überzogene Glosse.
Ich mache mir Gedanken über meinen Stil, weil ich immer ein Charakter bin, den ich damit forme. Der sollte möglichst deckungsgleich sein mit dem echten Menschen der hier vor dem Bildschirm sitzt. Tatsächlich ist das aber bloß wieder nur eine weitere Seite von mir.
Teilen von Dingen, die mich begeistern, ist eine weitere Post-Form. Und Fotos. Ich war in den 10ern ausschließlich als Fotoblogger unterwegs.
Meine Muttersprache ist aber der Hamburger-Plattenbau-Soziolekt. Meine sprachliche Bildung waren Otto-Walkes-Platten. Ich war Schlüssel- und Straßenkind. Ich habe als Kind nicht geschrieben, sondern Comics gezeichnet.
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