Schuldzuweisung fühlt sich mächtig an, deshalb wird es auch gerne gemacht, wenn wir die Probleme in der Welt betrachten. Man richtet das Augenmerk geradezu darauf, um Schuld zuweisen zu können.
Realität ist komplex, sie wird dramatisiert, um schneller und einfach darüber reden zu können, aber die Länge eines Inhalts sagt wenig über die Qualität aus. Comedians können extrem pointierte, treffende Kommentare abgeben. Ein Buch kann dick und weitschweifend sein.
Schuldzuweisung nützen nur einem selbst. Ich lese von Gruppen oder Horden, Menschen wieder möglichst schnell zusammenbringen und denke: bloß nicht, wenn Abgrenzung das Motiv ist, und man nicht genau sagt, wogegen man sich abrenzen will und ich diese Grenzen gar nicht will. Lasst mich bitte weiterhin mein Leben selbstbestimmt führen. Danke.
Selbst wenn es Menschen materiell eigentlich gut geht, werden sie unzufriedenen und moralisieren. Ich auch. Ich merke es, wie und wenn ich wütend und zynisch werde. Nach dem Motto: Sorry, aber angesichts der Weltlage, kann ich keinen Spaß mehr haben und keine Freude. Da kann ich nur noch zynisch werden. Das ist die angemessene Haltung zur Welt.
Ich versuche, nicht die Schuld anderen Menschen zu geben. Ich versuche, mir keine neuen Feindbilder zu schaffen. Das habe ich längst und versuche, eine Art mildes Engelchen auf meiner Schulter mir liebevoll zusprechen zu lassen. Denn das ist der eigentliche Kern, alte Wut, im Zynismus pointiert gesellschaftsfähig verkleidet, aber das versauert mich und macht mich unglücklich und unzufrieden.
Ich habe Freunde, die keine Nachrichten mehr lesen. Hat jemand einen Tipp, wie man die Nachrichten lesen kann, ohne zynisch zu werden oder Drogen zu nehmen? Sport mache ich, danke, es verändert gar nichts. Ich habe auch super Sozialkontakte.
Corona war der Moment, in dem ich gesehen habe, wie abstrakte politische Kategorien plötzlich die intimsten Beziehungen neu bestimmten. Plötzlich wurde wirklich alles politisch. Man fragte nicht mehr "Wer bist du?", sondern "Auf welcher Seite stehst du?".
Und jetzt ist es permanent so. Amazon oder nicht Amazon, Netflix oder nicht Netflix, Spotify oder nicht Spotify, die richtige politische Meinung bestimmt Beziehungen. Menschen werden nicht mehr als Menschen wahrgenommen, sondern durch Filter: Ist er konform? Teilt sie meine Werte?
Beziehungen werden unter Bedingungen hergestellt, die mit Menschlichkeit nichts zu tun haben. Sie werden ideologisch, konsumkritisch, politisch gefiltert, aber nicht mehr aus Resonanz, aus Begegnung, aus dem, was zwischen Menschen entsteht.
Das Resultat ist Isolation. Echte Verbindung wird unmöglich, wenn ich ständig prüfe: Darf ich mit dir verbunden sein? Erfüllst du die Bedingungen?
Corona hat das sichtbar gemacht, aber es war schon vorher da - und es wird schlimmer. Die Politisierung des Privaten. Es gibt keinen Raum mehr, wo man einfach ist, ohne Position, ohne Rechtfertigung.
Bescheidenheit hilft mir, der Blick auf das Positive. Wenn ich eingeladen werde und Konversation betreibe, passe ich mich an und sage sozialverträglich: "Angesichts der Weltlage schmeckt dein Kaffee ganz ausgezeichnet".

Zum einen das bewusste Überhören oder anders gesagt man muss nicht auf alles reagieren wenn jemand eine andere Meinung hat.
Zum anderen die Gelassenheit haben auch mal einen Konflikt nicht gleich lösen zu müssen.Dann ist man sich nicht einigen in 2-3 Themen, das heißt doch nicht das man nicht trotzdem eine gute Zeit zusammen haben kann.