Ich habe mich mit meinem Frisör über Ballett unterhalten. Und Oper und Standardtanz und Eiskunstlauf. Wir waren zum Teil stark unterschiedlicher Meinung, weil man immer zwischen Konsum, Genuss und Wahrnehmung schwankte und dem, was man da konsumiert, wahrnimmt und genießt; wie es zustande kommt, was für Menschen und Strukturen und Systeme und Regeln und Normen und Gelder und Motiven und Interessen undundund dahinter stehen.
Auf einen Nenner kamen wir nicht, aber es hat mir deutlich die Bedeutung meines Blogs für mich gezeigt. Durch ihn mache ich mir den Blick hinter die Kulissen bewusst, den Kulissen meines Lebens und mit wem und womit ich verbunden bin.
Hinter den Kulissen ist es nicht so privat und intim wie zuhause, hinter den Kulissen zieht man sich mit mehreren gemeinsam um, spricht über Gefühle und Befindlichkeiten, gibt sich Tipps, hört sich an, was einen umtreibt. Hinter den Kulissen macht man sich lustig über das, was einem wichtig ist, man pflegt und liebt mit Begeisterung, was einem wichtig ist. Man hat eine gesunde Distanz mit einem offenen, verbundenem Herzen.
Ich beschäftige mich hier auch mit anderen Dingen, die genau so Teil des Lebens sind und dieses beeinflussen. Hin und wieder, ab und zu.
Es ist eine Art von Zeigen, nicht Rechtfertigung. Show and tell. Das ist hier keine Steuer- oder Wirtschaftsprüfung, hier muss niemand sein Parteibuch vorlegen.
Wenn ich mich mit einer Sache beschäftige, versuche ich, ihr sachlich gerecht zu werden. Hinter den Kulissen geht es ja nicht unsachlich zu, nur müssen manche Sachen einfach draußen bleiben oder in der Garderobe abgelegt werden. Man fokussiert sich, man vernetzt sich, aber es ist eben ein anderes Netz, ein anderer Fokus. Die Verbindungen, die ich hier habe oder herstelle, bestehen außerhalb dieses Blogs; die haben mit dem Internet überhaupt nichts zu tun und werden nur manchmal durch Links und Einbindungen mittels Internet übertragen, weil das Internet hier nur Medium und Übertragungsweg ist.
Hinter den Kulissen meines Lebens entblöße ich mich nicht einfach, sondern zeige einen anderen Fokus, eine andere Sichtweise. Ich stelle die Dinge anders dar, aus meiner Perspektive, die aber keineswegs isoliert und vollkommen individuell ist.
Ich habe sehr oft gedacht: Warum soll ich das schreiben? Wen interessiert denn das? Die Antwort ist: Sehr viel mehr als in dem Moment für mich erkennbar ist, weil ich damit hinter die Kulissen schauen kann.