Das Buch "Die Gabe der Könige"

Die Gabe der Könige – Robin Hobb

Das Buch steht schon lange in meinem Regal, ich hatte sogar noch eine alte Ausgabe unter dem ursprünglichen Titel „Der Adept des Assassinen“ vom Flohmarkt.

Das Buch wurde neu übersetzt und kam jetzt auch gebunden mit Farbschnitt neu raus. Farbschnitt ist Geschmackssache. Ich fände einen Farbschnitt gut, der beim Aufklappen verschwindet.

Warum lese ich es jetzt? Das Buch wurde mir einerseits als gutes Beispiel empfohlen, wie man schlechte Würfe in Ironsworn (pay the price) so erzählen kann, dass man als Hauptfigur nicht nur Schaden oder Verlust erfährt, sondern der Geschichte eine Wendung gibt. Zum anderen wurde mir das Buch als Beispiel für eine Hauptfigur empfohlen, die nicht nach üblichen Klischees geschrieben ist.

Die Hauptfigur in „Die Gabe der Könige“ ist auf eine sehr angenehme Weise normal. Größe, Geschlecht, Aussehen spielen keine Rolle, sie zeichnet sich durch nichts Besonderes aus, nicht einmal die „Gabe“ ist ausgeprägt, alles ist Lernen, Üben, Trainieren, Gespräch und Beziehung zu Personen, von denen er aufgrund seiner Herkunft und seines Alters abhängig ist. Diese Beziehungen sind so bunt wie das Leben, mal mehr, mal weniger vertrauensvoll.

„Die Chronik der Weitseher“ wäre die erste Reihe, die ich weiterlesen würde (neben „Die Tochter der Wälder“), weil sich die Figur durch Beobachtungsgabe und angelernter Fähigkeiten auszeichnet. Er ist kein Überflieger und kein Superheld, ihm fällt nichts in den Schoß, aber die Geschichte macht auch kein Drama daraus.

Kurz zur Geschichte: Fitz ist der Sohn eines Prinzen, der Sex mit einer Bäuerin hatte. Er wird von seinem Großvater gegen den Willen seiner Mutter am Hof abgegeben, weil er keine Lust mehr hat, ihn durchzufüttern. Das ist ein dramatischer, vielleicht sogar der dramatischste, Part der Geschichte. Sein Leben ist geprägt von Widrigkeiten, von Abhängigkeiten und von der immerwährenden Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen, die sein Leben und Überleben sichern. Durch seinen Bastard-Status befindet er sich ständig zwischen Interessenskonflikten, zumal er zum Assassinen ausgebildet wird und in moralische Konflikte gerät.

Der fantastische Anteil ist gering, aber essentiell. Es gibt einerseits die königliche Gabe, weit Entferntes zu sehen und telepathisch mit anderen zu kommunizieren, also eine Art „Seher“-Gabe, deshalb „Die Chronik der Weitseher“, und zum anderen gibt es eine alte, animalische Gabe (alte Macht), sich mit einem Tier zu verbinden und seine Sinne zu teilen, was sich nicht mit der anderen Gabe verträgt.

Er soll zur königlichen Gabe ausgebildet werden, aber scheitert, wohingegen er bereits früh die alte Macht beherrscht.

Eine angenehm bodenständige Fantasy-Serie, die trotzdem mit Mord, Intrigen und Kämpfen nicht spart. Gut austariert.


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Ein Kommentar

  1. Avatar von ben_

    Ouh. Verlockend. Danke!

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