Cecil wachte nach einem tiefen, unruhigen Schlaf auf. Das Bett war zerwühlt, ihr Kopfkissen lag quer. Sie schlug die Decke zurück und rollte sich aus dem Bett.
Die Sonne schien durch die trüben Scheiben in das Loft. Staub glitzerte im Sonnenlicht. Cecil stieß sich von der Bettkante ab und ging ein paar Schritte. Ihre Küche bestand aus einem Schrank, zwei Herdplatten und einem Kühlschrank, den Strom zapfte sie mit einem langen Kabel vom Untergeschoss an. Außer ihr wohnte niemand in dem alten Industrie-Gebäude.
Wenn man unten durch die Häuserschluchten lief, kam niemand auf die Idee, dass hier oben jemand wohnte. Es war kein Wohnen, eher ein Bewohnen, so wie Einsiedlerkrebse oder Bären sich Behausungen suchten.
Sie kochte sich Kaffee in einer Espressokanne, goss ihn in eine große Tasse und setzte sich auf den abgewetzten Ledersessel. Am liebsten wäre sie zurück ins Bett gekrochen, aber wenn sie das täte, würde sie für die nächste Stunde nicht wieder rauskommen. Das Leder klebte kalt an ihren Beinen, sie zog das übergroße T‑Shirt nach unten, um möglichst wenig Kontakt mit dem Leder zu haben, winkelte die Beine an und versuchte, sich so klein wie möglich zu machen. Sie trank ihren Kaffee und genoss die Wirkung des Koffeins und ihres schneller und stärker schlagenden Herzens.
Der große Raum bot nicht viel mehr als scheinbar unendlich viel Platz, Bett, Sessel, Küche, ein Tisch, eine Kleiderstange mit ihren Sachen und eine Kiste mit Strümpfen und Unterwäsche. Sie sollte sich irgendwann mal den Luxus gönnen und eine zweite Kiste besorgen, um Strümpfe und Unterwäsche zu trennen. Am liebsten trug sie Kleider, weil sie so praktisch waren, aber zog sie selten an, weil das die Blicke auf sich zog und Aufmerksamkeit war das letzte, was sie brauchen konnte. Meistens trug sie Hosen, T‑Shirt und Hoodie. Wenn sie sich nicht schminkte, ging sie als Junge durch, was sehr praktisch war.
Sie strich ihr glattes Haar aus dem Gesicht hinter ihr Ohr, roch kurz dran, verzog das Gesicht und trank ihren Kaffee weiter.