Was mir an Geschichten spontan gefällt, ist die Andeutung einer Vielfalt der Figur. „Hier könnte es interessant werden“, ist mein spontaner Gedanke. Gute Geschichten leben von Kontrasten, der stärkste ist das Drama. Tod und Liebe. Bereits mit leichten Andeutungen kann man Figuren aus ihrem Klischee holen. Klischees sind beruhigend, Klischees entsprechen unseren Erwartungen und das kann sehr entspannend sein. So wie bei geführten Touren durch die Serengeti braucht man eine gewisse Sicherheit. Der eine mehr, der andere weniger. Aber Klischees öffnen die Erzählung. Man erwartet Bekanntes und Neues.
Mir fällt an alten Filmen auf, wie es ihnen gelingt, nicht Klischees zu zementieren, sondern durch leichte Verschiebungen interessant zu machen und neue Möglichkeiten und Erzählräume zu öffnen. Dabei liegt das Unbekannte oft in der Nähe.
Eines der Mittel waren Pausen. Das waren natürliche Pausen, man hat dem Moment etwas Zeit gelassen für Zwischentöne, Mimik, Gestik. Erzählungen brauchen Rhythmus.
Ich kenne keinen Film aus der Zeit, der nicht in irgend einer Weise mit Gewohnheiten oder Erwartungen brechen wollte. Die ersten Filme schockierten und überraschten so, dass die Zuschauer von den Stühlen vielen.
Die Filme sind voller interessanter Zwischentöne, die vielleicht gerade jetzt für mich wieder attraktiv werden, weil ich sie vermisse. Die leichten Verschiebungen der Klischees, die Zwischentöne. Die realitätsnahe Komplexität von Menschen die sich nicht erst im Lauf der Geschichte entwickelt, sondern bereits in kurzen Momenten erahnen lässt und Spannung und Interesse aufbaut.