Saturday Night Fever

Satur­day Night Fever kann­te ich in der unge­schnit­te­nen Ver­si­on noch nicht. Dass eine geschnit­te­ne Ver­si­on in den Kinos lief, habe ich im Lau­fe des Films gemerkt. Durch die Schnit­te ver­liert man aller­dings auch Cha­rak­ter­ent­wick­lung und Nuan­cen der Figu­ren, wesent­li­che kri­ti­sche Metaer­zäh­lun­gen des Films, sodass nur ein Tanz­film mit unfrei­wil­lig komi­scher Ästhe­tik übrig­bleibt.

Der Film zeigt den Kon­flikt zwi­schen ästhe­ti­scher Ver­fei­ne­rung durch Tanz und Roman­tik und Gewalt, Sexis­mus, Klas­sen­kon­flik­te. Roman­tik ist hier nicht bloß Äußer­lich­keit oder Pose, son­dern die Beto­nung von ver­fei­ner­ten Gefüh­len, emo­tio­na­ler Tie­fe, Freund­schaft, aber auch Sehn­süch­te, die sich an der Rea­li­tät mes­sen müs­sen.

Anders als in West Side Sto­ry bestim­men zwar auch Klas­sen­un­ter­schie­de, Riva­li­tä­ten unter Grup­pen und Gewalt das Leben in New York, aber anstatt um Lie­be geht es um Sex und Gewalt und als Hap­py Ende steht die Freund­schaft im Vor­der­grund, mit der Aus­sicht, es über die Brü­cke in das Vier­tel der Rei­chen und Gebil­de­ten zu schaf­fen.

Die Dis­ko-Tanz­sti­le, unter dem Sam­mel­be­griff Hust­le, sind eine bun­te Mischung unter­schied­li­cher Ein­flüs­se und Ideen. Club­kul­tur ist gene­rell ein Mosa­ik zum Teil extrem sexua­li­sier­ter expres­si­ver For­men. Auch geht es um das Spiel mit Ele­ganz, Sym­bo­len sozia­ler Höher­stel­lung und Geld, gera­de, weil Tanz und Musik als Unter­hal­tungs­for­men ärme­rer Schich­ten gal­ten. Das ist auch an der Pro­duk­ti­on von Dis­ko-Musik zu erken­nen, denn Syn­the­si­zer oder Orches­ter muss­te man sich leis­ten kön­nen.

Die Codes in den Sub­kul­tu­ren sind dabei so sub­til wie über­le­bens­wich­tig. Dabei sind sich, offen­sicht­lich, alle viel ähn­li­cher als sie vor­ge­ben. Man sucht siche­re Vor­bil­der und sol­che, vor denen man sich in Acht neh­men muss. Es wird dar­über dis­ku­tiert, ob David Bowie bise­xu­ell ist, ande­rer­seits trägt man Schu­he mit hohen Absät­zen, die nach heu­ti­gen Maß­stä­ben extrem femi­nin wir­ken wür­den.

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2 kommentare

  1. ben_  · 

    Lus­tig! Im Semi­nar „Pop :: Kul­tur :: Wis­sen­schaft“, das ich an der Uni besucht habe, galt Satur­day Night Fever als Mei­len­stei­ne der Post­mo­de­ren. Es zeigt Lebens­kon­zep­te, die nicht mehr ent­lang von kla­re Klas­sen­struk­tu­ren lau­fen, son­dern sich im Lau­fe eines Tages voll­stän­dig ändern kön­nen. Tags­über oder unter der Woche bra­ve Ange­stell­te, nachts oder am Wochen­en­de Dis­ko­queen. Das Auf­spal­ten der Kul­tur in Sub­kul­tu­ren, und das gleich­be­rech­tig­te Neben­ein­an­der unter­schied­li­cher Lebens­kon­zep­te, in Zwei­fel inner­halb einer Per­son. Das Gan­ze als Gegen­ent­wurf zu den tota­li­tä­ren Lebens­kon­zep­ten der 40er, und den nicht weni­ger umfas­sen­den Lebens­kon­zep­ten der 50 und 60er.

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    1. Mar­tin  · 

      Ja, das passt abso­lut. Mir ist der Film so nie auf­ge­fal­len. Mit Abstand bekommt man doch einen ande­ren Blick.

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