Von der Schwierigkeit, zu tun, was man will
Wir üben im Tanz, auf unseren Körper zu hören, zu erspüren, wie und wohin er sich bewegt. Das Nervensystem hat einen eigenen Willen. Wir erleben ihn bewusst, nennen ihn aber nur dann ‚Willen‘, wenn er uns bewusst wird.
Wenn wir tun, was wir wollen, hören wir dann auf unseren Körper oder tun wir das, was wir kennen und gewohnt sind? Tun wir, was wir wollen, wenn wir Gewohnheiten ändern oder wenn wir ihnen folgen?
Anstatt darüber ins Grübeln zu kommen, lerne ich, auf meinen Körper zu hören und zu achten. Das ist schwer, weil ich nach Zeichen und Anzeichen suche, weil ich es gewohnt bin, dass Kommunikation über Sprache läuft. Wie soll ich meine Verdauung als Sprache erkennen? Wenn der Magen knurrt, kann man Hunger haben, aber nicht immer, wenn man Hunger hat, knurrt der Magen. Manchmal hat man bloß Appetit. Ist Appetit eine Gewohnheit oder ein Zeichen meines Körpers?
Auf sich selbst achten und auf sich selbst hören, ist eine schwere Übung. Man braucht dafür Ruhe und muss seine Sinne runterfahren, sich hinsetzen, die Augen schließen, schweigen. Und dann passiert da nichts, die Gedanken kreisen und wenn man Ruhe findet, schläft man vielleicht sogar ein. Man achtet auf nichts, aber man spürt auch keinen Willen. Meditation ist das Eine, vielleicht sogar eine sehr gute Übung, um sich in die Lage zu versetzen, seinem Körper zuzuhören. Bewegung ist das Andere und Nächste. Yoga ist so eine Übung oder das japanische zeremonielle Teekochen.
In diesem Sinne seinen Alltag bewältigen, ist mein Wunsch und Ziel. Erkennen, wo und dass ich fremdgesteuert bin, ungesunde Gewohnheiten habe. Dieses aber mit Sanftmut zu verfolgen und nicht mit Härte, ist die Art Disziplin, die ich ausübe.
Meine nächste Übung ist es, dieses auf den Alltag anzuwenden, jede kleine Tätigkeit als bewusste Ausübung meines Willens erleben und erkennen. Selbst die unangenehmen Dinge tu ich, weil ich will, weil ich es brauche, weil es für etwas gut ist.
Sogar so eine einfache Tätigkeit wie Wäschewaschen tun wir, weil wir es wollen. Manche lieben es, manche hassen es, aber das ist unser Ego, was da spricht. Unser Körper mag gewaschene Wäsche, sie fühlt sich gut auf der Haut an und riecht gut, und wenn nicht, sorgen wir dafür und finden Mittel und Wege, damit sie sich gut anfühlt und riecht.
Anfang des Jahres hatte ich mir vorgenommen, mich mit Zen zu beschäftigen und im Alltag ab und zu daran zu denken. Ich werde weiter üben, die Frage, was ich tun will, ernst zu nehmen. Immer wieder innehalten und das prüfen und bewusst machen: Ich tue gerade, was ich will, als Feststellung, nicht als Affirmation.
Ego ist sprachlich besetzt als treibende Kraft, die nicht mehr aufmerksam zuhört und wahrnimmt, deshalb besteht meine Übung in der Feststellung, nicht eines Ichs, das einem etwas sagt und führt. Praktisch ist das nicht zu unterscheiden und zu trennen. Es ist eher ein Bild, ein Vorbild für mich selbst. Kein Satz als Auftrag, sondern ein Bild zum Betrachten. Das Erkennen einer Situation.
Und erst aus dieser Haltung heraus, kann ich dem nachgehen, was ich will.
Das Dilemma, in dem ich stecke: Ich will aus diesem Denken entkommen, aber finde dafür keine neuen Wörter und kann sie nicht einfach anders definieren: Wille, Ego, und woher kommt die Energie das zu tun, was ich tue? Eigentlich neutrale Begriffe, denen ich vielleicht nur durch Handlung eine neue Bedeutung für mich geben muss.
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