Nachdenken über Zeit

Mög­lich­kei­ten geben mir Frei­heit, Mög­lich­kei­ten schrän­ken mich ein. Ich inter­es­sie­re mich für neue Ideen und Theo­rien, ande­rer­seits neh­men sie mir Zeit und Ener­gie, um mich mit ande­ren Din­gen zu beschäf­ti­gen, die viel­leicht wich­ti­ger sind.

Ich habe Eine kur­ze Geschich­te der Zeit noch nicht gele­sen, aber ich habe es im Regal ste­hen. Die Idee reicht mir oft. Ich will das The­ma ja gar nicht durch­drin­gen, ich will nur wis­sen, was wahr ist und was mög­lich ist. Des­halb inter­es­siert mich auch Sci­ence-Fic­tion. Die Idee, dass Zeit rück­wärts läuft oder vor­wärts und rück­wärts oder ob Zeit ein Anfang oder ein Ende hat, oder Ereig­nis­se sich wie­der­ho­len kön­nen oder etwas sich unab­hän­gig von Zeit bewe­gen kann oder schnel­ler als Zeit, das sind Gedan­ken, die ich nie abge­legt habe.

Ich habe das Gefühl, das Zeit ewig ist, kei­nen Anfang und Ende hat und line­ar und unwi­der­bring­lich ver­läuft. Eine nai­ve Vor­stel­lung, unwis­sen­schaft­lich, sich dabei auch noch auf sein Gefühl zu ver­las­sen, und ich kann es selbst nicht bewei­sen. Es ist auch kei­ne Behaup­tung, son­dern nur ein Gefühl.

Ich kann ja nicht aus jedem Gedan­ken eine Dis­pu­ta­ti­on machen, manch­mal ver­hal­te ich mich aber so als müss­te ich das, dabei zucken alle um mich her­um mit den Schul­tern und heben abweh­rend die Hän­de. Das ist der Effekt von Kom­men­tar­spal­ten. Das ist die Gefahr für mich. Aus einem Inter­es­se wird sofort ein inne­res Streit­ge­spräch.

Zurück zum The­ma. Ich habe das Inter­view mit Tim Maud­lin in der Zeit gele­sen und dach­te hin­ter­her, ob es nicht viel klü­ger für mich ist, Zeit nicht zu rela­ti­vie­ren und mich mehr mit den Mög­lich­kei­ten des­sen zu befas­sen, was ich für rich­tig hal­te? Ganz unwis­sen­schaft­lich? Wenn mich jemand fragt, wie spät es ist, nicht zu den­ken „Das kommt drauf an“ oder „Wo?“. Die Ant­wort ist ganz ein­fach: Doch, genau das wäre sehr klug für mich, so etwas nicht zu den­ken. Nicht jetzt.

Wie bekom­me ich jetzt Wie­der­ge­burt, Kreis­läu­fe und den Zen-Kreis in die Linea­ri­tät rein? Wie­der­ge­burt gar nicht, jeden­falls nicht so wort­wört­lich, den Kreis­lauf oder die Wie­der­kehr von Ereig­nis­sen auch nicht real. Und an der Stel­le, den­ke ich, fängt genau das Sin­nen an. Das stil­le in sich Hin­ein­hö­ren und nicht sofort neu­ro­nal, bewusst, intel­lek­tu­ell ver­an­kern und ein­bau­en oder wider­le­gen oder sym­bol­haft mani­fes­tie­ren, son­dern solch einen Gedan­ken erst ein­mal still in mir ent­fal­ten las­sen.

Ich glau­be, dass das mit „Medi­tie­ren über etwas“ gemeint ist, nicht wie in einem Brain­storm zu asso­zi­ie­ren, son­dern die­se para­do­xe, allem wider­spre­chen­de Idee in mir ent­fal­ten las­sen. Es ist mein Pro­blem, dass es in mir aus­sieht wie in Wer­ner Hövers Früh­schop­pen und ich gedank­lich um mich her­um Exper­ten sit­zen habe, die über mei­ne Unwis­sen­heit den Kopf schüt­teln. Es gibt Men­schen, die ver­su­chen genau solch eine Situa­ti­on im Gespräch her­zu­stel­len. Das Pro­blem dabei ist nicht, dass man oft eben nur eine Ahnung hat, ein Gefühl und ein Bruch­teil von Wis­sen, son­dern, wie die ande­ren dar­auf reagie­ren und mit wem man zusam­men sitzt. Auch des­halb bin ich Leh­rer gewor­den, ich woll­te Kin­dern die Mög­lich­keit geben und den Raum dafür schaf­fen, zu ler­nen. Zumin­dest das, wovon ich eini­ger­ma­ßen Ahnung habe. Ein Uni­ver­sal­di­let­tant.

Das gleich­mä­ßi­ge Aus­üben einer Tätig­keit in genau die­sem Bewusst­sein, mit all dem in mei­nem Kopf und dabei zu üben, zur Ruhe zu kom­men, dar­um geht es. Dar­um geht es mir. Ich glau­be, das beru­higt auf eine klu­ge und gesun­de Art.



Kommentar schreiben