Ein Gedanke, der mir letztes Jahr hängen geblieben ist, ist die Bedeutung der Gaben für Menschen. Das Thema ist viel umfassender als ich dachte. Wenn man etwas über die alte Welt und frühere Menschen erfahren will, dann kann man nur aufgrund der gefundenen Objekte Rückschlüsse ziehen, und aus Grabbeigaben kann man die ersten und oft einzigen Rückschlüsse ziehen, was Menschen einem bedeutet haben, aber auch, was Menschen generell für eine Vorstellung von sich und der Welt hatten. Die Blumen, Nahrung und Werkzeug sind nicht einfach bloß Dinge.
Marcel Mauss hat darüber 1925 ein Buch geschrieben.
Objekte waren früher Bedeutungsträger, ja Seelenträger, der Geist eines Menschen wohnte in ihnen, ein Gedanke, der immaterielle Mensch. Sie waren erweiterte Persönlichkeit, ein verlängertes Ich.
Über Jahrtausende wurden sämtliche Objekte und Gegenstände in tageleangen Prozessen hergestellt. Jeder Faustkeil war ein Produkt langer, kunstvoller Arbeit und sein praktischer Wert, seine Nutzbarkeit, seine Schärfe und Form, haben sich im Gebrauch gezeigt.
Geschenke waren in früheren Gesellschaften soziale Kleber oder auch Blutgeld. Eine Geschenk erzeugt heilige Bindung und wenn jemand getötet wurde, musste die Familie der Person, die getötet hat, der Familie des Getöteten Dinge zum Ausgleich schenken.
Dinge wurden ausgetauscht, um sozialen Frieden herzustellen.
Das ist heute nicht anders, aber unser Sozialleben und die Art, wie wir Dinge herstellen, hat sich radikal geändert.
Dinge werden in Massenproduktion hergestellt, sind beliebig und austauschbar, haben einen Preis, den man in Zahlen ausdrücken kann und können ersetzt werden. Wenn wir deshalb Selbstgemachtes verschenken, dann kann das Freude bereiten oder eine emotionale Last sein. Das Geschenk ist ein Übergriff und emotional aufgeladen, geradezu eine Zumutung. Das Geschenk wird Verpflichtung. Geschenke werden als emotionale Währung eingefordert. Das ist die extrem formulierte Kehrseite.
Geschenke können von allem etwas haben und sind niemals nur ein Objekt. Unter dem Gesichtspunkt betrachtet, wurden wir und haben uns zu Weihnachten reich beschenkt.
Vielleicht sind Geschenke, ähnlich den Grabbeigaben, ein ganz gutes Thema, um sich über Gefühle und Beziehungen Gedanken zu machen, nicht nur darüber, was einem Dinge bedeuten oder wie man sie erzeugt.